
Vom Oberliga-Kicker zum Derbyhelden
Nürnbergs Piet Scobel im Porträt
Mit 15 Jahren im Nachwuchsbereich eines Profiklubs, einige Jahre später im Amateurfußball und zwischendurch sogar komplett weg vom Fußball: Der Weg von Piet Scobel klingt nicht gerade nach einer klassischen Karriere im Profifußball. Heute spielt der 21-Jährige für den 1. FC Nürnberg in der 2. Bundesliga. Seine Geschichte zeigt, dass der Weg zur Profikarriere nicht immer geradlinig verlaufen muss.
Als der Fußball plötzlich zur Nebensache wurde
Piet Scobel galt schon im Jugendalter als talentierter Fußballer. Über den SV Halstenbek-Rellingen kam er zum FC St. Pauli, wo er zwischen 2017 und 2020 spielte. Doch gerade während der Corona-Pandemie veränderte sich sein Verhältnis zum Fußball. Der Alltag rund um Training und Schule, die fehlende Normalität und die Situation rund um den Sport sorgten dafür, dass er die Freude am Fußball verlor. Piet zog daraus eine ungewöhnliche Konsequenz: Er hörte zeitweise komplett auf. Für einen jungen Spieler, dessen Ziel eigentlich der Profifußball ist, wirkt das wie ein großer Rückschritt. Doch genau hier beginnt die Geschichte, die seinen späteren Weg so besonders macht.
Zurück auf den Fußballplatz
Nach seiner Pause fand Scobel über den Amateurfußball zurück. Er spielte zunächst für Blau-Weiß 96 Schenefeld und den SV Lieth, bevor er bei Union Tornesch in der Oberliga Hamburg landete. Parallel dazu absolvierte er ein Studium der Wirtschaftsmathematik. Der Fußball war damit nicht mehr der einzige Mittelpunkt seines Lebens. Gleichzeitig entwickelte sich Scobel auf dem Platz weiter. Besonders beim Eimsbütteler TV machte er auf sich aufmerksam: In der Saison 2024/25 erzielte er in 17 Ligaspielen in der Oberliga Hamburg 19 Tore und bereitete weitere sieben Treffer vor. Plötzlich wurde aus dem Spieler, der einige Jahre zuvor den Fußball aufgegeben hatte, wieder ein interessanter Stürmer.
Eine neue Chance
Im Januar 2025 öffnete sich ihm schließlich eine Tür, mit der einige Jahre zuvor wohl nur wenige gerechnet hätten: Piet Scobel wechselte zum 1. FC Nürnberg. Zunächst war er für die zweite Mannschaft vorgesehen. Dort musste er sich erneut beweisen. Der Schritt von der Oberliga in die Regionalliga war groß – doch Scobel überzeugte mit Toren und arbeitete sich immer näher an die Profimannschaft heran. In der Saison 2025/26 wurde er schließlich mehrfach in den Kader der ersten Mannschaft berufen.
Am 7. November 2025 war es schließlich so weit: Piet gab gegen Dynamo Dresden sein Debüt in der 2. Bundesliga. Wenige Wochen später folgte sein erster großer Moment auf dieser Bühne. Gegen die SV Elversberg traf er gleich zweimal und verhalf Nürnberg damit zu einem 3:2-Sieg. In der neuen Spielzeit stand Scobel bisher bei beiden Siegen der Clubberer von Beginn an auf dem Feld. Im Derby gegen Greuther Fürth führte der junge Mittelstürmer seinen Verein fast im Alleingang zum zweiten Sieg im zweiten Spiel: Beim 4:2 Erfolg traf Scobel doppelt und legte einen Treffer vor. Ein weiterer Beweis dafür, wie sehr sich der 21-Jährige in kürzester Zeit auf Zweitliga-Niveau etabliert hat.
Untypische Karriere
Was Piet Scobels Geschichte besonders macht, ist weniger der schnelle Aufstieg als die Tatsache, dass seine Karriere zwischendurch stillstand. Sein Weg verlief nicht von einem Nachwuchsleistungszentrum direkt in den Profifußball. Stattdessen gab es eine Pause, Amateurstationen, ein Studium und mehrere Schritte, die auf den ersten Blick nicht nach einer klassischen Profikarriere aussahen – und trotzdem kam er zurück!
Piet Scobels Geschichte bedeutet nicht, dass jeder Umweg automatisch zum Profivertrag führt. Und sie bedeutet auch nicht, dass Rückschläge egal sind. Sie zeigt aber, dass ein Rückschlag nicht eure komplette Geschichte schreiben muss.
Quelle: Gokixx
Foto: imago images/Sportfoto Zink/Daniel Marr










