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Nationalspieler Toni Kroos während der  Fußball-Europameisterschaft  2024 im Spiel gegen Schottland, 14.06.2024

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Was ihr euch von Fußballprofis abschauen könnt

Spielverlagerung à la Toni Kroos

Toni Kroos – ein außergewöhnlicher Spieler mit einer außergewöhnlichen Karriere. Der Mittelfeldstratege war insbesondere für seine außergewöhnliche Passqualität und Spielübersicht bekannt. Wir zeigen euch, worauf es bei einer guten Spielverlagerung ankommt und wie ihr mit dem richtigen Blick und sauberer Technik selbst zum Spielgestalter werden könnt.

Ein Meister des Passspiels

Ob mit einem langen Diagonalball auf den Flügel oder einem präzisen Pass über mehrere Gegenspieler hinweg – Toni Kroos war während seiner Karriere für seine außergewöhnliche Passqualität und Spielübersicht bekannt. Der ehemalige deutsche Nationalspieler gewann mit dem FC Bayern und insbesondere mit Real Madrid zahlreiche Titel, darunter sechsmal die Champions League und mit der Nationalmannschaft 2014 die Weltmeisterschaft.

Besonders seine Fähigkeit, das Spiel mit wenigen Kontakten zu verlagern und damit ganze Defensivreihen auseinanderzuziehen, machte ihn zu einem der besten Mittelfeldspieler seiner Generation. Seine letzte Saison bei Real Madrid zeigt exemplarisch, wie Kroos über Jahre hinweg das Mittelfeld der Madrilenen dirigiert und geprägt hat. In der Spielzeit 2023/24 spielte Kroos durchschnittlich etwa 100 Pässe pro Spiel, von denen knapp 95 ankamen. Hinzu kamen unter anderem 2,66 Schlüsselpässe pro 90 Minuten sowie durchschnittlich fünf Flanken. Werte, bei denen Kroos bessere Ergebnisse aufwies als über 93 Prozent und teilweise über 99 Prozent aller Spieler der La Liga. Wir zeigen euch, was seine Passqualität und besonders seine Spielverlagerung so besonders machte und wie auch ihr sie trainieren könnt.

Kroos' Stärke lag in der Übersicht

Wenn Kroos den Ball bekam, wirkte seine nächste Aktion häufig schon vorbereitet. Bevor der Ball bei ihm ankam, hatte er sich orientiert und wusste, welche Möglichkeiten sich auf dem Spielfeld boten. Dadurch konnte er das Spiel mit wenigen Kontakten in eine andere Richtung lenken.

Eine Spielverlagerung ist dabei mehr als nur ein möglichst langer Pass. Entscheidend ist, wann und wohin ihr den Ball spielt. Wenn die gegnerische Mannschaft auf einer Seite verschiebt und dort viele Spieler den Raum eng machen, kann ein schneller Pass auf die andere Seite große Räume öffnen. Genau darin lag eine von Kroos' großen Stärken: Er erkannte solche Situationen früh und konnte sie mit seiner Passqualität ausnutzen.

Blick vor dem Pass

Bevor ihr eine Spielverlagerung spielt, solltet ihr wissen, was auf der anderen Seite passiert. Deshalb beginnt die Aktion nicht erst mit der Ballannahme, sondern bereits mit dem Blick davor. Orientiert euch bereits vor der Ballannahme. Wo stehen eure Mitspieler? Wo befindet sich der Gegner? Und ist auf der gegenüberliegenden Seite genügend Raum? Ein kurzer Blick über die Schulter oder in den freien Raum kann euch dabei helfen, diese Informationen rechtzeitig zu sammeln.

Wenn ihr erst nach der Ballannahme anfängt, nach einer Lösung zu suchen, kann es bereits zu spät sein. Der Gegner hat dann möglicherweise Zeit, Druck auf euch auszuüben oder die Passwege zu schließen. Versucht deshalb, euch schon vor dem ersten Kontakt ein Bild von der Situation zu machen. So könnt ihr den Ball schneller weiterleiten und habt mehr Zeit für eure eigentliche Aktion.

Die Technik entscheidet

Eine gute Spielverlagerung braucht nicht nur Übersicht, sondern auch die passende Technik. Gerade bei langen Pässen kommt es darauf an, den Ball sauber zu treffen und ihm die richtige Flugbahn mitzugeben. Je nach Spielsituation und Entfernung sowie Winkel zum Mitspieler, bieten sich verschiedene Arten von Pässen an. Eine der wohl gängigsten Methoden ist der sogenannte englische Ball, der den Mitspieler per flachem oder halbhohem Flugball durch einen starken Unterschnitt knapp über der Grasnarbe erreichen soll.

Euer Standbein sollte dabei neben dem Ball stehen und in Richtung eures Ziels zeigen. Für den gewünschten Unterschnitt empfiehlt es sich, den Ball mit dem Spann horizontal leicht unterhalb der Mitte des Balls zu treffen. Besonders für schnelle Spielverlagerungen oder für einen tödlichen Pass in den Lauf eignet sich diese Form des Passes. Je nach Situation bieten sich jedoch auch Außenrist- oder Innenristpässe an.

Dabei gilt: Nicht jeder lange Pass muss maximal hart gespielt werden. Entscheidend ist, dass euer Mitspieler den Ball gut verarbeiten kann. Eine präzise Spielverlagerung bringt wenig, wenn der Ball zu weit, zu hoch oder zu schnell gespielt wird. Kroos war genau deshalb so effektiv: Seine Pässe waren nicht einfach nur lang, sondern meistens so platziert, dass der nächste Spieler direkt weiterspielen konnte.

Übung macht den Unterschied

Um Spielverlagerungen zu trainieren, könnt ihr euch als Ziel einen Mitspieler auf der gegenüberliegenden Spielfeldseite suchen. Spielt zunächst aus einer ruhigen Position lange Pässe über größere Distanzen. Achtet dabei vor allem auf eure Technik und darauf, den Ball möglichst genau in den Lauf oder vor den Fuß eures Mitspielers zu spielen.

Anschließend könnt ihr die Übung schwieriger machen: Lasst einen Gegner Druck auf euch ausüben und orientiere euch schon vor der Ballannahme. Euer Ziel ist es nun, den Ball mit möglichst wenigen Kontakten auf die andere Seite zu spielen.

Noch spielnaher wird es, wenn ihr die Übung in eine kleine Spielform einbaut. Zum Beispiel kann eure Mannschaft einen Punkt bekommen, wenn ihr nach einem Ballgewinn innerhalb weniger Sekunden erfolgreich die Seite wechselt. So trainiert ihr nicht nur die Technik des langen Passes, sondern gleichzeitig auch den richtigen Moment für die Spielverlagerung.

Toni Kroos hat gezeigt, dass eine starke Spielverlagerung nicht nur von einem guten Fuß abhängt. Entscheidend sind vor allem eure Orientierung, euer Timing und die Qualität eures Passes. Wenn ihr euch vor der Ballannahme umschaut und eure Technik regelmäßig trainiert, könnt ihr das Spiel mit einem Pass auf die andere Seite öffnen.

Quelle: Gokixx

Foto: imago images/Passion2Press/Markus Fischer

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