
Schnelle Richtungswechsel wie Jamal Musiala
Jamal Musiala bringt mit seiner Spielweise Verteidiger regelmäßig aus dem Gleichgewicht. Dabei sind es nicht nur seine Dribblings, die ihn so schwer zu verteidigen machen. Besonders auffällig sind seine schnellen und explosiven Richtungswechsel. Das Gute daran: Genau diese Fähigkeit könnt ihr gezielt trainieren. Dafür braucht ihr weder komplizierte Übungen noch besonders viel Platz. Entscheidend ist vor allem, wie sauber ihr Täuschung, Ballkontrolle und Beschleunigung miteinander verbindet.
Richtungswechsel schlagen Tempo
Viele Nachwuchsfußballer konzentrieren sich vor allem darauf, möglichst schnell zu sprinten. Natürlich ist Tempo im Fußball wichtig. Trotzdem entstehen viele entscheidende Vorteile nicht durch einen langen Sprint, sondern durch einen plötzlichen Wechsel der Richtung. Wenn ihr einen Gegenspieler mit einer Körpertäuschung zunächst in eine Richtung bewegt und anschließend explosiv in die andere startet, verschafft ihr euch oft genau den Raum, den ihr für die nächste Aktion braucht. Gerade im Eins gegen Eins kann ein schneller Richtungswechsel deshalb wirkungsvoller sein als ein komplizierter Trick. Wichtig ist, dass ihr den Gegner zuerst zu einer Reaktion zwingt und anschließend den freien Raum konsequent nutzt.
Erst täuschen, dann beschleunigen
Ein erfolgreicher Richtungswechsel besteht meist aus zwei entscheidenden Schritten. Zunächst täuscht ihr mit Schultern, Blick oder Oberkörper eine Bewegung an. Dadurch versucht ihr, den Gegenspieler zu einer Reaktion zu bringen. Sobald er sein Gewicht verlagert oder einen Schritt in die falsche Richtung macht, öffnet sich auf der anderen Seite Raum. Genau dann setzt ihr den Ball mit dem nächsten Kontakt in die freie Richtung und beschleunigt sofort. Wichtig ist, dass zwischen Täuschung und Antritt möglichst wenig Zeit vergeht. Je flüssiger beide Bewegungen ineinander übergehen, desto schwieriger wird es für den Verteidiger, noch rechtzeitig zu reagieren.
Arbeitet mit einem tiefen Körperschwerpunkt
Eure Körperhaltung spielt bei schnellen Richtungswechseln eine wichtige Rolle. Vor dem Wechsel der Richtung solltet ihr eure Knie leicht beugen und den Körperschwerpunkt absenken. So könnt ihr kontrollierter abbremsen, schneller die Richtung wechseln und anschließend wieder explosiv beschleunigen. Bleibt ihr dagegen sehr aufrecht, dauert die Gewichtsverlagerung länger. Gleichzeitig wird es schwieriger, den Ball bei hohem Tempo eng am Fuß zu halten. Viele Profis sind deshalb besonders wendig, weil sie ihren Körper effizient einsetzen. Entscheidend ist also nicht nur die reine Geschwindigkeit, sondern auch die Kontrolle über den eigenen Bewegungsablauf.
Drei Übungen für mehr Wendigkeit
Übung 1: Zickzack-Dribbling
Stellt sechs bis acht Hütchen mit ungefähr zwei Metern Abstand zueinander auf. Dribbelt mit vielen kleinen Kontakten durch den Parcours. Achtet darauf, den Ball möglichst nah am Fuß zu führen und die Richtung an jedem Hütchen sauber zu verändern. Nach jeder Richtungsänderung versucht ihr, das Tempo sofort wieder zu erhöhen. So trainiert ihr nicht nur die Ballkontrolle, sondern auch den explosiven Antritt nach einem Richtungswechsel. Trainingszeit: 3 Durchgänge à 60 Sekunden
Übung 2: Farben-Reaktion
Für diese Übung verteilt ihr mehrere verschiedenfarbige Hütchen um euch herum. Während ihr mit dem Ball dribbelt, ruft ein Mitspieler eine Farbe auf. Sobald ihr dieses Kommando hört, müsst ihr möglichst schnell reagieren, die Richtung verändern und zum entsprechenden Hütchen dribbeln. Dadurch wisst ihr vorher nicht, wohin die nächste Bewegung geht. Die Übung verbindet Ballkontrolle mit Reaktion und Handlungsschnelligkeit. Versucht, nach dem Richtungswechsel direkt wieder Tempo aufzunehmen.
Übung 3: 1-gegen-1-Zone
Markiert ein Feld von ungefähr zehn mal zehn Metern. In diesem Bereich tretet ihr im direkten Eins gegen Eins gegeneinander an. Ziel ist es, den Verteidiger mit Richtungswechseln und Tempowechseln zu überwinden.
Verzichtet dabei bewusst auf viele komplizierte Tricks. Konzentriert euch stattdessen darauf, euren Gegner mit einer einfachen Täuschung zu einer Bewegung zu bringen und anschließend schnell die freie Seite zu nutzen. So trainiert ihr genau die Situationen, die auch im Spiel entstehen können.
Trainiert beide Seiten
Viele Spieler haben eine bevorzugte Seite, über die sie besonders gerne dribbeln oder die Richtung wechseln. Im Spiel kann das allerdings schnell berechenbar werden. Wenn ein Verteidiger weiß, dass ihr fast immer über dieselbe Seite geht, kann er sich leichter darauf einstellen. Versucht deshalb, jede Übung sowohl nach links als auch nach rechts auszuführen. Auch wenn sich eine Seite zunächst ungewohnt anfühlt, lohnt sich die zusätzliche Arbeit. Je sicherer ihr in beide Richtungen wechseln könnt, desto mehr Möglichkeiten habt ihr in Eins-gegen-Eins-Situationen.
Qualität vor Quantität
Explosive Richtungswechsel kosten euch Kraft und Konzentration. Deshalb ist es häufig sinnvoller, kurze und intensive Serien zu trainieren, anstatt die Übungen sehr lange am Stück durchzuführen. Sobald die Bewegungen langsamer oder unsauber werden, verliert die Übung einen Teil ihres Effekts. Legt zwischen den Durchgängen deshalb kurze Pausen ein. So könnt ihr jede Wiederholung wieder mit hoher Konzentration und möglichst viel Intensität absolvieren. Achtet vor allem darauf, dass eure Bewegungen sauber bleiben. Erst wenn die Technik stimmt, sollte das Tempo weiter erhöht werden.
Explosive Richtungswechsel gehören zu den wichtigsten Möglichkeiten, einen Gegenspieler im direkten Duell zu überwinden. Dafür müsst ihr nicht automatisch der schnellste Spieler auf dem Platz sein. Entscheidend ist vielmehr, wie gut ihr Täuschung, Ballkontrolle, Körperhaltung und Beschleunigung miteinander verbinden könnt.
Quelle: Gokixx
Foto: imago images/Pressefoto Ulmer/Markus Ulmer










