
VBG-Präventionspreis 2026: Sechs Siegerprojekte, die neue Impulse setzen
Impulse aus der Praxis für eine bessere Präventionsarbeit
Aus guten Ideen wird wirksame Prävention
Am 8. Juli 2026 verwandelte sich ein Abend in Offenbach für rund anderthalb Stunden in eine Bühne für all jene, die sonst selten im Rampenlicht stehen: Mitarbeitende, Trainerinnen und Trainer, Studierende und Sicherheitsfachkräfte, die in ihren Betrieben, Vereinen und Hochschulen Tag für Tag dafür sorgen, dass Arbeit sicherer und gesünder wird.
Die VBG verlieh im Rahmen des Programms VBG_NEXT zum elften Mal ihren Präventionspreis – in sechs Kategorien: Technik, Gesundheitsmanagement, Organisation von Arbeitsschutz, Sport Gesamtkonzepte, Sport Spezial und ein Wissenschaftspreis für Studierende. Aus 124 Einreichungen wählte eine sechsköpfige Jury in einem mehrstufigen Prozess sechs Projekte aus, die zeigen, wie unterschiedlich gute Prävention aussehen kann: mal mit einer Radarpistole auf dem Fußballplatz, mal mit einem selbstentwickelten Podest in einer Porenbetonfabrik, mal mit einer App, die Studierende auf Schnitzeljagd schickt. Die Aufzeichnung der Verleihungsveranstaltung finden Sie demnächst in der Medientheke von VBG_NEXT.
Bewertet wurden die Einreichungen unter anderem nach Wirksamkeit, Wirtschaftlichkeit, Übertragbarkeit und Innovation. Die Preise sind mit jeweils 15.000 Euro dotiert, der Wissenschaftspreis mit 5.000 Euro.
Um auch anderen Betrieben und Vereinen einen nachhaltigen Impuls für ihre Präventionsarbeit zu bieten, sind die prämierten Projekte in der Projektdatenbank des Programms VBG_NEXT veröffentlicht.
Das sind die Gewinnerprojekte 2026:
Gesundheit mit System: AFRY Deutschland
Bei AFRY Deutschland, einem Ingenieurunternehmen mit 17 Standorten, ist Betriebliches Gesundheitsmanagement kein Lippenbekenntnis, sondern gelebter Alltag und wird seit über zehn Jahren kontinuierlich weiterentwickelt. Besonders bemerkenswert: das präventive Eingliederungsmanagement, das schon bei 20 Fehltagen ansetzt, lange bevor die gesetzliche Pflicht greift. Mit individueller Beratung, Hilfsmitteln und Kursen erreichen die Verantwortlichen fast alle Betroffenen und schaffen es so, Langzeiterkrankungen spürbar zu reduzieren. Möglich wird das durch ein Netz aus Multiplikatorinnen und Multiplikatoren an allen Standorten, die die Bedingungen vor Ort kennen und Maßnahmen zum Verbessern der physischen und mentalen Gesundheit passgenau umsetzen. Ein Konzept, das zeigt: Wer Gesundheit konsequent mitdenkt, profitiert langfristig davon – Beschäftigte wie Unternehmen.
► Jetzt das Projekt von AFRY Deutschland kennenlernen!
Sicherheitsunterweisung als Schnitzeljagd: Goering Institut München
Wer schon einmal eine Sicherheitsunterweisung erlebt hat, weiß, dass das meist keine Begeisterung auslöst. Am Goering Institut in München, wo angehende Restauratorinnen und Restauratoren für Möbel und Holzobjekte ausgebildet werden, ist das anders. Die Studierenden gehen dort auf digital unterstützte „Schnitzeljagd“ – mit dem treffenden Namen „Hunting Cutlet“. An Maschinen, Notausgängen oder Gefahrenstellen scannen sie QR-Codes, beantworten Fragen, lernen nebenbei den Umgang mit dem Feuerlöscher oder testen den Not-Aus-Schalter. Entwickelt wurde die App von einem IT-Studierenden, der zuvor ein freiwilliges Jahr im Institut absolvierte. Die App ist so angelegt, dass sie inhaltlich auch ohne IT-Kenntnisse weiterentwickelt werden kann. Das Ergebnis: Studierende, die mit echtem Interesse bei der Sache sind. Und Lernerfolge, die sich sogar rechtssicher dokumentieren lassen.
► Noch mehr über das Projekt des Goering Instituts München erfahren!Eine Online-Plattform über Zyklusbeschwerden: Linda Öttinger
Zum zweiten Mal vergab die VBG einen Wissenschaftspreis für Studierende. Die Preisträgerin hat sich eines Themas angenommen, das im betrieblichen Gesundheitsmanagement bislang kaum vorkommt: zyklusbedingte Beschwerden. Linda Öttinger von der Technischen Hochschule Deggendorf hat in ihrer Bachelorarbeit eine Onlineplattform entwickelt, die menstruierende Personen im Arbeitsalltag unterstützt und gleichzeitig Führungskräfte sowie Kolleginnen und Kollegen für das Thema sensibilisiert. Grundlage dafür waren eine Umfrage mit 186 Teilnehmenden und Interviews mit Expertinnen aus Medizin, Psychologie und Arbeitswelt. Herausgekommen ist ein Konzept mit Kalenderfunktion, Austauschforen und telemedizinischer Anbindung. Das Angebot ist niedrigschwellig, skalierbar und trägt dazu bei, dieses Thema aus der Tabuzone zu holen.
► Erfahren Sie mehr über die Online-Plattform und Linda Öttinger!Ein sicheres Podest, Marke Eigenentwicklung: Xella Deutschland
Manchmal ist die beste Lösung die, die neu erfunden wird. Im Werk Malsch von Xella Deutschland – einem Hersteller von Baustoffen und Systemlösungen – mussten Mitarbeitende regelmäßig eine Schneidanlage für Porenbeton auf nassen, rutschigen Lamellen, anderthalb Meter über dem Boden reinigen. Stolpern, Ausrutschen, Abstürzen waren ein echtes Risiko im Arbeitsalltag. Weil es am Markt keine passende Lösung gab, hat das Team der Instandsetzung gemeinsam mit der Fachkraft für Arbeitssicherheit kurzerhand selbst eine gebaut: ein fahrbares Podest auf schmalen Schienen, das sich leicht und sicher durch die Anlage bewegen lässt. Eine Idee, die aus der Praxis kam und jetzt anderen Porenbetonwerken als Vorbild dient.
► Lernen Sie mehr über das Projekt von Xella Deutschland kennen!Mit Radarpistole zu Sprintprofilen: Eintracht Braunschweig
Verletzungen der hinteren Oberschenkel sind der Albtraum jeder Fußballspielerin und jedes Fußballspielers. Sie erwischen die Sportlerinnen und Sportler ausgerechnet dann, wenn sie am schnellsten unterwegs sind. Die meisten Risse passieren bei Sprints mit über 80 Prozent der Höchstgeschwindigkeit, besonders beim Abbremsen. Bei Eintracht Braunschweig haben die Verantwortlichen sich davon nicht entmutigen lassen, sondern eine Radarpistole in die Hand genommen. Klingt nach Verkehrskontrolle, ist aber Hightech-Prävention: Damit lässt sich die Sprintgeschwindigkeit jedes einzelnen Spielers viel genauer messen als bisher – und so der optimale Trainingsbereich von über 90 Prozent der Höchstgeschwindigkeit bestimmen. Aus den Werten entstehen individuelle Sprintprofile, auf deren Basis Spieler von der U17 bis zu den Profis gezielt trainieren, auch das so wichtige Abbremsen. Ein Verein der 2. Liga, der zeigt, dass kluge Prävention entsteht, wenn man bereit ist, neue Wege zu gehen.
► Jetzt einen Einblick in das Projekt von Eintracht Braunschweig erhalten!Prävention mit kleinem Budget, großer Wirkung: TSV SCHOTT Mainz
Dass professionelle Prävention nicht zwingend ein dickes Portemonnaie braucht, beweist der TSV SCHOTT Mainz. Der Breitensportverein mit 14 Abteilungen hat einfach das genutzt, was er hat: eigene Mitglieder aus Sportwissenschaft, Sportmedizin und Physiotherapie. Daraus entstand über 14 Jahre ein Präventionskonzept mit wissenschaftlich fundierter Leistungsdiagnostik, eigens entwickeltem Leitfaden und individuellen Trainingsplänen für Sportlerinnen und Sportler jeden Alters. Kindersportakademie und Jugendprävention sorgen dafür, dass schon der Nachwuchs einen guten Start ins gesunde Sportlerleben bekommt. Ein Verein, der vormacht, wie viel Engagement und kluge Kooperationen bewegen können.
► Jetzt das Projekt von TSV SCHOTT Mainz kennenlernen!
Viele weitere Projekte und Ideen für Ihre Präventionsarbeit finden Sie in der VBG_NEXT-Projektdatenbank. Lassen Sie sich inspirieren!