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Entwicklung einer Onlineplattform für zyklusbedingte Krankheiten und Beschwerden bei menstruierenden Personen

Linda Öttinger

Best Practice Präventionspreis 2026

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Ausgangslage und Ziel

Zyklusbedingte Beschwerden stellen ein weit verbreitetes, jedoch im betrieblichen Kontext bislang unzureichend berücksichtigtes Gesundheitsproblem dar. Trotz ihrer hohen Prävalenz und der damit verbundenen Auswirkungen auf Arbeitsfähigkeit, Produktivität und psychisches Wohlbefinden finden sie im Betrieblichen Gesundheitsmanagement (BGM) bislang kaum systematische Beachtung. Dies führt häufig zu Präsentismus, Unsicherheiten im Arbeitsalltag sowie zu Stigmatisierung und sozialer Isolation betroffener Personen.

Vor diesem Hintergrund verfolgt die Bachelorarbeit das Ziel, ein digitales Präventionskonzept zu entwickeln, das zyklusbedingte Beschwerden gezielt adressiert und deren Integration in das betriebliche Gesundheitsmanagement verbessert. Im Zentrum steht dabei die Konzeption einer niedrigschwelligen, wissenschaftlich fundierten Onlineplattform, die sowohl menstruierende Personen unterstützt als auch Führungskräfte und nicht menstruierende Mitarbeitende sensibilisiert.

Die Arbeit zielt darauf ab, die Wechselwirkungen zwischen körperlichen, psychischen und sozialen Faktoren systematisch zu erfassen und in ein ganzheitliches Unterstützungskonzept zu überführen.

Konzept: Digitale Plattform als integrativer Lösungsansatz

Um der bestehenden Versorgungslücke zu begegnen, wurde ein digitales Plattformkonzept entwickelt, das als zentraler Baustein eines modernen, inklusiven Gesundheitsmanagements fungiert. Die Plattform stellt einen geschützten, niedrigschwelligen Raum dar, in dem Informationen bereitgestellt, Austausch ermöglicht und Unterstützungsangebote gebündelt werden.

Durch die gezielte Ansprache unterschiedlicher Zielgruppen wird eine multiperspektivische Auseinandersetzung mit dem Thema ermöglicht. Die Plattform berücksichtigt die unterschiedlichen Bedürfnisse und Wissensstände von Führungskräften, menstruierenden bzw. ehemals menstruierenden Personen und nicht menstruierenden Mitarbeitenden.

Ziel des Konzepts ist es, nicht nur individuelle Belastungen zu reduzieren, sondern auch organisationale Lernprozesse anzustoßen. Durch Sensibilisierung, Aufklärung und strukturelle Unterstützung soll langfristig eine offene und gesundheitsförderliche Unternehmenskultur etabliert werden.

Aktivitäten

Zur Entwicklung eines fundierten Konzepts wurde ein multidisziplinärer methodischer Ansatz gewählt. Dieser beinhaltete eine umfangreiche Literaturrecherche, eine quantitative Online-Umfrage mit 186 Teilnehmenden sowie qualitative Interviews mit Expertinnen aus den Bereichen Medizin, Psychologie und Arbeitswelt. Ergänzend wurde ein prototypisches Plattformmodell entwickelt.

Die methodische Herangehensweise orientierte sich am biopsychosozialen Modell, wodurch die komplexen Wechselwirkungen zwischen körperlichen Beschwerden, psychischer Belastung und sozialen Rahmenbedingungen systematisch erfasst werden konnten.

Die Ergebnisse der quantitativen Erhebung zeigen, dass nahezu alle Befragten regelmäßig unter zyklusbedingten Symptomen leiden und einen deutlichen Bedarf an betrieblicher Unterstützung äußern. Gleichzeitig wurde sichtbar, dass im Arbeitsumfeld häufig Unsicherheiten im Umgang mit dem Thema bestehen, insbesondere bei Führungskräften sowie Kolleginnen und Kollegen.

Die qualitativen Interviews bestätigten diese Erkenntnisse und lieferten konkrete Hinweise zur Gestaltung der Plattform. Zentrale Anforderungen sind unter anderem zielgruppenspezifische Inhalte, anonyme Feedbackmöglichkeiten, eine barrierearme Nutzung sowie eine verständliche und alltagsnahe Aufbereitung der Informationen.

Auf Basis dieser Erkenntnisse wurde ein umfassendes Plattformkonzept entwickelt, das verschiedene Funktionen integriert, darunter edukative Inhalte, individuelle Kalenderfunktionen, Austauschforen, telemedizinische Anbindungen sowie Sensibilisierungsmaßnahmen wie Pop-ups und anonyme Meldeoptionen.

Ergebnisse

Die Ergebnisse der Arbeit verdeutlichen, dass zyklusbedingte Beschwerden einen signifikanten Einfluss auf das Arbeitsleben haben und bislang im BGM strukturell unterrepräsentiert sind. Die entwickelte Plattform zeigt auf, wie durch digitale Lösungen eine evidenzbasierte und praxisnahe Unterstützung geschaffen werden kann.

Besonders deutlich wird die zentrale Rolle von Führungskräften, die maßgeblich zur Entstigmatisierung und zur Etablierung einer offenen Kommunikationskultur beitragen können. Durch gezielte Informationsangebote und Sensibilisierungsmaßnahmen werden sie in ihrer Vorbildfunktion gestärkt und erhalten konkrete Handlungssicherheit.

Darüber hinaus ermöglicht das Konzept eine organisationsweite Integration des Themas, indem auch nicht menstruierende Mitarbeitende einbezogen werden. Dies fördert das gegenseitige Verständnis und reduziert Unsicherheiten im Arbeitsalltag.

Ein wesentlicher Vorteil der digitalen Lösung liegt in ihrer Skalierbarkeit, Modularität und einfachen Integration in bestehende Systeme. Dadurch kann sie sowohl in großen Organisationen als auch in kleinen Betrieben ressourcenschonend implementiert werden.

Fazit

Die Ergebnisse der Arbeit belegen, dass ein digitales Präventionskonzept einen wirksamen Beitrag zur Integration zyklusbedingter Beschwerden in das betriebliche Gesundheitsmanagement leisten kann. Die entwickelte Plattform schafft eine evidenzbasierte Grundlage, um individuelle Belastungen zu reduzieren, die gesundheitliche Teilhabe zu verbessern und gleichzeitig organisationale Veränderungsprozesse anzustoßen.

Durch die Kombination aus wissenschaftlicher Fundierung, praxisnaher Ausgestaltung und digitaler Umsetzbarkeit wird ein innovativer Ansatz aufgezeigt, der sowohl die Bedürfnisse der Betroffenen als auch die Anforderungen moderner Arbeitswelten berücksichtigt.

Die Plattform dient dabei als Instrument, um das Thema Zyklusgesundheit nachhaltig zu enttabuisieren und als festen Bestandteil betrieblicher Präventionsstrategien zu etablieren.

Besonderheit

Das entwickelte digitale Plattformkonzept zeichnet sich insbesondere durch seine ganzheitliche, biopsychosoziale Ausrichtung sowie seine hohe Übertragbarkeit aus. Durch die vollständig digitale Struktur ist es flexibel skalierbar, modular erweiterbar und unabhängig von Branche oder Unternehmensgröße einsetzbar.

Darüber hinaus ermöglicht die konsequente Einbindung verschiedener Zielgruppen eine integrative Perspektive, die über individuelle Gesundheitsförderung hinausgeht und einen nachhaltigen Beitrag zur Entwicklung einer offenen und gesundheitsbewussten Unternehmenskultur leistet.

Ausblick

Die Implementierung der Plattform bietet das Potenzial, gesundheitsbedingte Fehlzeiten zu reduzieren, das Arbeitsklima zu verbessern und Führungskräfte im Umgang mit sensiblen Gesundheitsthemen zu entlasten. Eine Integration in bestehende Strukturen des betrieblichen Gesundheitsmanagements erscheint dabei besonders vielversprechend.

Langfristig kann das Konzept durch die Erweiterung auf weitere hormonelle Lebensphasen wie Menopause oder Schwangerschaft ausgebaut werden. Dadurch wird die Grundlage geschaffen, Zyklusgesundheit umfassend und nachhaltig in betriebliche Präventionsstrategien zu integrieren und den Umgang mit Gesundheitsthemen am Arbeitsplatz grundlegend zu verändern.

Sie haben Anregungen, Fragen oder Kommentare zu den vorgestellten Projekten? Dann kontaktieren Sie uns gerne.
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