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Projekt „Sturz frei“

BG Klinik Bergmannstrost Halle

Best Practice Präventionspreis 2026

Ausgangslage und Ziel

Patienten und Patientinnen sind gesetzlich unfallversichert, wenn Sie von einer gesetzlichen Krankenkasse oder einem Träger der gesetzlichen Rentenversicherung

  • stationäre bzw. teilstationäre Krankenhausbehandlung,
  • stationäre Vorsorgeleistungen,
  • stationäre oder ambulante Leistungen zur medizinischen Rehabilitation erhalten.

Zuständiger Versicherungsträger ist in der Regel die Verwaltungs-Berufsgenossenschaft (VBG). Versichert sind alle Betätigungen, die im Zusammenhang mit der Behandlung beziehungsweise Rehabilitation stehen. Gesetzlicher Unfallversicherungsschutz besteht unter den Voraussetzungen von § 2 Abs. 1 Nr. 15a SGB VII.

Diese Personengruppe ist die größte Versichertengruppe der VBG. Einen Unfallschwerpunkt innerhalb der Versichertengruppe stellen Sturz- und Stolperunfälle dar. Diese stehen vor allem im Zusammenhang mit dem ungewohnten Umfeld in Krankenhäusern und Reha-Einrichtungen aber auch dem erhöhten Lebensalter vieler versicherten Personen. 

Wegen ihrer Häufigkeit und ihren physischen, psychischen und sozialen Konsequenzen sind Stürze ein bedeutendes Problem für die Gesundheit der Betroffenen.

In der BG Klinik Bergmannstrost Halle – eine Klinik der Spezialversorgung – ist die Sturzprophylaxe besonders relevant, da überwiegend Patienten und Patientinnen mit Unfallverletzungen, neurologischen Einschränkungen und geriatrischen Risiken versorgt werden.

Ziel der Sturzprophylaxe ist es, Stürze und deren Folgen bei besonders gefährdeten Patienten und Patientinnen zu vermeiden. Durch eine systematische Erfassung aller Sturzereignisse – mit und ohne Verletzungsfolgen – und den Vergleich mit dem externen Benchmark „B-IN Pflege“ kann die Klinik Präventionsmaßnahmen bewerten und gezielt weiterentwickeln.

Aktivitäten

Das Projekt „Sturz frei“ ist eine systematische, innovative und gebündelte Weiterentwicklung bereits bestehender klinikinterner Strukturen zur Sturzprophylaxe. Die Klinik stellt dar, wie komplex, mehrdimensional, interdisziplinär und langfristig die Thematik Sturzprophylaxe von Patienten und Patientinnen betrachtet werden muss. Es gibt keine einfachen und schnellen Lösungen.

Die Einrichtung orientiert sich daran, dass technische Maßnahmen grundsätzlich Vorrang vor organisatorischen und personenbezogenen Lösungen haben, zugleich jedoch in enger Wechselwirkung mit diesen stehen und aufeinander abgestimmt sein müssen. 

Sie verfügt bereits über gute Voraussetzungen wie höhenverstellbare Betten, ausreichend Mobilisationshilfsmittel und jederzeit erhältliche ABS‑Socken. Folgende weitere präventive Maßnahmen werden durchgeführt:

1. Sturzassessment
Pflegekräfte dokumentieren auf Basis der vom Deutschen Netzwerk für Qualitätsentwicklung in der Pflege entwickelten Standards systematisch das Sturzrisiko und Sturzereignisse. Regelmäßige Dokumentationskontrollen sichern die Qualität.

2. Digitale Erfassung und Visualisierung
Die digitale Dokumentation ermöglicht eine umfassende Auswertung aller Stürze. Jede Station erhält monatlich ein Pflege‑Dashboard mit grafisch aufbereiteten Kennzahlen wie Altersverteilung, Uhrzeit, Ort, Folgen, Risikofaktoren und Sturzrate. Diese Daten fließen in Strategiegespräche ein und ermöglichen erstmals eine externe Bewertung pflegesensitiver Daten im bundesweiten Vergleich.

3. Schulung aller Pflegenden
Alle Pflegekräfte absolvieren verpflichtend eine Schulung zum aktualisierten Expertenstandard Sturzprophylaxe (DNQP 2022). Ein quartalsweiser Report zeigt den Schulungsfortschritt.

4. Expertengruppe Sturz
Eine interprofessionelle Arbeitsgruppe überarbeitet im Auftrag der Pflegedirektion klinikinterne Standards, Verfahrensanweisungen und Dokumente.

Fachkräfte beraten Patienten und Patientinnen sowie Angehörige. Erstmalig werden VBG-Produkte zur Sturzprophylaxe nachhaltig in den Klinikalltag integriert.

5. Anlassbezogene Pflegevisiten und „Der besondere Fall“
Durch die regelmäßig, nahezu tägliche Aktualisierung des Pflegedashboards durch das Pflegecontrolling werden Sturzereignisse mit mittelschweren und schweren Folgen frühzeitig erkannt und automatisiert an die Pflegedirektion weitergeleitet. In der Folge finden strukturierte Pflegevisiten statt, die das Ziel haben, präventive Schritte für die Zukunft einzuleiten. 

Zusätzlich stellen die Stationsleitung in ihren monatlichen Sitzungen ausgewählte Fälle vor, um praxisnahe Verbesserungen abzuleiten. 

6. Innovative Technologie: Radar- und KI-gestütztes Mobilitäts-Monitoring
Die Klinik setzt in der neurologischen Frührehabilitation ein radar- und KI- gestütztes Monitorsystem zur kontaktlosen Sturzerkennung ein. Es erfasst anonym Bewegungsmuster. Es informiert das Pflegepersonal in Echtzeit über Gefahrensituationen und Stürze. Die Technik unterstützt damit auch bei der Sturzrisikoeinschätzung. Eine Expertengruppe begleitet die Implementierung sowie die Anwendung im Stationsalltag.

7. Safety Cross in der Inneren Medizin
Im Fachbereich Innere Medizin bringen die Pflegenden Patienten und Patientinnen mit hohem Sturzrisiko in der Nähe des Pflegestützpunktes unter. Im Spätdienst – die Hauptrisikozeit für Stürze – wurde pflegerische Betreuung erhöht.

Zur täglichen Visualisierung und Reflexion von Sturzereignissen führt die Klinik das Safety Cross ein. Das Pflegepersonal dokumentiert in jeder Schicht dokumentiert Stürze (rot) oder sturzfreie Zeiten (grün) und überprüft die abgeleiteten Interventionen.

8. Bodenbett
Im Bereich Innere Medizin treten vermehrt Stürze bei Patienten und Patientinnen mit ausgeprägtem Bewegungsdrang und gleichzeitigen kognitiven Einschränkungen auf. Zur Prävention solcher Ereignisse arbeitet die Klinik mit dem Konzept der bodennahen Pflege, das gleichzeitig zum Vermeiden freiheitsentziehender Maßnahmen beiträgt. Im Rahmen dieser Strategie wurden spezielle Bodenbetten angeschafft, die über eine komfortable Liegefläche für die Patienten und Patientinnen sowie eine gepolsterte Arbeitsfläche für die Pflegenden verfügen.

Ergebnisse

  • Transparente Datenlage: Aktuelle Dashboards ermöglichen eine schnelle, differenzierte Analyse des Sturzgeschehens.
     
  • Gezielte Maßnahmen: Interne und externe Benchmarks zeigen Handlungsfelder klar auf.
     
  • Verbesserte Prozessqualität: Schulungen, standardisierte Dokumentation und strukturierte Fallbesprechungen stärken die interdisziplinäre Zusammenarbeit und Handlungssicherheit.
     
  • Innovative technologische Unterstützung: Das radarbasierte und KI-gestützte Monitorsystem verbessert die Sturzprophylaxe, Sturzerkennung und Entscheidungsfindung in der neurologischen Frührehabilitation.
     
  • Stationsspezifische Prävention: Safety Cross und Pflegevisiten fördern eine kontinuierliche Reflexion und Anpassung der Maßnahmen.

Besonderheit

  • Externe Bewertung pflegesensitiver Daten durch Teilnahme an „B‑IN Pflege“.
     
  • Interprofessionelle Zusammenarbeit und ganzheitlicher Ansatz zwischen Pflege, Therapie und Qualitätsmanagement.
     
  • Innovative Technologien wie radar- und KI-gestützte Sturzprophylaxe und Sturzerkennung.
     
  • Kultur der kontinuierlichen Verbesserung durch Formate wie „Der besondere Fall“.
     
  • Hohe Transparenz und Beteiligung aller Berufsgruppen durch Dashboards, Schulungen und strukturierte Kommunikation.

Zusatzinfo

Die VBG informiert hier über die Prävention von Sturzunfällen im Krankenhaus.

Sie haben Anregungen, Fragen oder Kommentare zu den vorgestellten Projekten? Dann kontaktieren Sie uns gerne.
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