Autogenschweißen

1. Allgemeines

Autogenschweißen (auch Gasschmelzschweißen) ist ein Schmelzschweißverfahren, bei dem Werkstücke durch eine Gasflamme aufgeschmolzen und miteinander verbunden werden. Die Flamme entsteht durch die Verbrennung von Acetylen mit Sauerstoff. Acetylen als eingesetztes Brenngas ermöglicht die Erreichung einer sehr hohen Flammentemperatur von bis zu 3.200 °C.

Autogenschweißen
© BGHM

Einsatzbereiche

Da Autogenschweißen ohne weitere Energiequellen (wie z.B. Strom) auskommt, wird es häufig auf Baustellen oder auch bei Reparaturarbeiten an nicht stationären Arbeitsplätzen eingesetzt. Autogenschweißen eignet sich daher vor allem für unlegierte und niedriglegierte Stähle (Baustahl), dünnwandige Rohre oder vorgewärmtes Gusseisen. Auch Kupfer oder Kupferlegierungen sowie Aluminium können unter Verwendung von Zusatzstoffen oder Flussmitteln geschweißt werden.

Geräte und Ausrüstung

Zum Autogenschweißen gehören Gasflaschen, befüllt jeweils mit Acetylen und Sauerstoff, sowie Schläuche (Sauerstoff: blau, Acetylen: rot) und ein Schweißbrenner mit Düse. Für die Regelung des Gasflusses kommen Druckminderer an den Flaschen zum Einsatz. Um einen potentiellen Rückschlag der Flamme über Brenner, Schlauch bis hin zur Gasflasche zu verhindern, muss mindestens eine Sicherheitseinrichtung in Form eines Rückschlagventiles vorhanden sein. Dieses kann entweder direkt am oder im Brenner oder an der Gasflasche bzw. Gasentnahmestelle vorhanden sein. Befinden sich Gasflaschen oder Entnahmestellen außer Sichtweite, so muss sowohl am Brenner als auch an der Acetylenflasche ein Rückschlagventil vorhanden sein.

2. Gefährdungen

Beim Autogenschweißen können unterschiedliche Gefährdungen und Belastungen für die Beschäftigten auftreten. Die wichtigsten Gefährdungen sind:

  • Verbrennungs- und Brandgefahr durch offene Flamme, glühende Werkstücke sowie Funkenflug oder abtropfendes Material
  • Explosionsgefahr durch Flammenrückschlag im Brenner oder bei Gasaustritt durch Beschädigungen an Gasflaschen, Armaturen oder Schläuchen
  • Augen- und Hautschäden durch Wärmestrahlung
  • Gesundheitsschäden durch Schweißrauche und Gase
  • Stolper- und Sturzgefahr durch herumliegende Schläuche
  • Quetschgefahr durch umfallende oder wegrollende Gasflaschen

Ist ein Brand an Gasflaschen ausgebrochen, kann der Brand nur sicher gestoppt werden, wenn auch die Gaszufuhr unterbrochen wird. Deshalb müssen bei einem Brand an Gasflaschen die Ventile sofort geschlossen werden.

WICHTIG: Schrauben, Gewinde oder Armaturen einer Sauerstoffflasche dürfen niemals mit Öl oder Fett geschmiert werden und auch nicht in Kontakt mit öl- oder fettverschmutzten Lappen oder öligen/fettigen Fingern kommen, da es sonst zu einer explosionsartigen Reaktion kommen kann.

3. Schutzmaßnahmen

Technische und organisatorische Schutzmaßnahmen

  • Einsatz von zugelassenen und geprüften Sicherheitseinrichtungen (z.B. Rückschlagventil) an Brenner oder Druckminderer
  • Einsatz von Schweißrauchabsaugungen oder für ausreichende Belüftung sorgen
  • Gasflaschen auf ebenen, festen Untergrund stellen und gegen Umfallen sichern
  • Gasschläuche aus dem Bewegungsbereich fernhalten und gegen mechanische Beschädigungen geschützt verlegen
  • Brennbare Stoffe aus dem Arbeitsbereich entfernen
  • Feuerlöscher bereithalten
  • Regelmäßige Prüfung aller verwendeten Ausrüstungsteile

Persönliche Schutzausrüstung

  • Schweißerbrille oder Schweißerschild (Schutzstufe 4–7 in Abhängigkeit von den Einsatzbedingungen)
  • Hitzebeständige Schutzhandschuhe
  • Schwer entflammbare / flammhemmende Schweißerschutzkleidung oder Lederschürze
  • Sicherheitsschuhe mit Schutzkappe
  • Fremdbelüfteter Atemschutz bei unzureichender Lüftung
  • Bei speziellen Arbeitsbedingungen, z. B. beim Überkopfschweißen und in engen Räumen sind ggf. geeignete Ergänzungen wie Kopfhaube und Gamaschen zu verwenden

Neben technischen und organisatorischen Schutzmaßnahmen, sowie der zu verwendenden Persönlichen Schutzausrüstung, kommt es auch auf das sichere Arbeiten der schweißenden Personen an.

  1. Der Brenner, das Rückschlagventil (Sicherheitseinrichtung) und die Schläuche müssen dicht und korrekt angeschlossen sein. Es muss immer mindestens eine Sicherheitseinrichtung vorhanden sein.

  2. Vor jedem Arbeitsbeginn müssen die Schläuche einer Sichtprobe auf erkennbare Beschädigungen unterzogen werden.

Acetylenflasche mit Druckregler, Sicherheitsmanometern und Sicherheitseinrichtung mit Flammensperre, Gasrücktrittsicherung und Nachströmsperre
Quelle: DGUV Information 209-011 Gasschweißen, © BGHM
  1. Durchführen der Saugprobe am Brenner bei jeder Inbetriebnahme und bei einem Wechsel der Schläuche oder des Brenners. Dafür wird der Brenngasschlauch am Brenner abgekuppelt, so dass nur Sauerstoff aus dem Brenner strömt. Der ausströmende Sauerstoff erzeugt bei korrekter Funktion des Brenners am Brenngasanschluss einen Unterdruck.

  2. Aufgrund der Saugwirkung des Brenners ist es wichtig, bei Inbetriebnahme und Abstellen des Brenners die richtige Reihenfolge einzuhalten:

  • Zuerst den Sauerstoff öffnen.
  • Dann das Brenngas öffnen.
  • Anschließend das ausströmende Gemisch mit einem Gasanzünder entzünden.
  • Flamme einstellen

Beim Abstellen des Brenners wird in umgekehrter Reihenfolge verfahren.

Saugprobe an einem Injektorbrenner
Saugprobe an einem Injektorbrenner Quelle: DGUV Information 209-011 Gasschweißen, © BGHM/SLM GmbH

4. Weitere Informationen