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Mentale Probleme im Fußball

Werder Bremens Mittelfeldspieler Niklas Schmidt machte Anfang des Jahres seine mentalen Probleme öffentlich. © Imago Images: Nordphoto

Aktuelle Beispiele und Umgang in der Bundesliga

Mentale Probleme und Depressionen sind Themen, die im Fußball viel zu selten zur Sprache kommen. Wir berichten euch vom aktuellen Outing des Werderaners Niklas Schmidt und darüber was er sich für die Zukunft erhofft.

Niklas Schmidt über mentale Probleme

Nach dem 2:0 Testspiel gegen den spanischen Drittligisten Real Murcia brach es aus Niklas Schmidt heraus: „Für mich waren in den vergangenen Monaten, das muss ich offen und ehrlich sagen, andere Dinge wichtiger. Vor allem hatte ich große mentale Probleme. Die habe ich auch offen mit der Mannschaft kommuniziert. Auch mit dem Trainer. Ich bin jetzt auch in der Hilfe". 

Nachdem Bayern Münchens Verteidiger Benjamin Pavard Ende September seine Depressionen öffentlich machte, habe Schmidt sich darin wiedergefunden. Anzeichen seiner Krankheit seien vor allem, dass er keine Lebensfreude mehr gespürt habe. Die WM-Unterbrechung habe ihm deshalb gutgetan, um einfach mal abzuschalten und Zeit mit seiner Familie zu verbringen. Seine Mannschaft reagierte mit vollstem Verständnis: Mitchell Weiser erzählt, dass er ihn in den Arm genommen habe und zeigte, dass das Team für ihn da ist. Schmidt erklärte außerdem: „Depression ist ein großes Wort. Was es am Ende genau ist, weiß ich nicht. Ich werde das mit meinem Psychologen aufarbeiten."


Depressionen in der Bundesliga

Schmidt ist nicht der Einzige, der offen mit seinen Problemen umgeht. Immer mehr Fußballer outen sich und geben bekannt, an Depressionen zu leiden. So zum Beispiel Oliver Kahn, der bereits 2017 und vor kurzem in einem Podcast über seine Krankheit sprach. 

Auch wenn der Umgang mit mentalen Problemen immer offener wird, gibt es sicherlich weitaus mehr Fälle, die noch nicht bekannt sind. VDV-Geschäftsführer Ulf Baranowsky ist der Meinung, dass zu wenige Clubs im Profibereich eine ausreichende sportpsychologische Hilfe anbieten, obwohl sich das viele wünschen würden. Fortschritte gibt es aber, indem in vielen Nachwuchsleistungszentren die Verpflichtung besteht, die Spieler psychologisch zu betreuen. Der Geschäftsführer der Robert-Enke-Stiftung Jan Baßler findet das sehr positiv: „Die Talente wachsen damit auf, sich auch über Gefühle mit jemandem auszutauschen". 

Niklas Schmidt selbst hofft, dass im Profisport in Zukunft offener mit mentalen Krankheiten umgegangen wird, da diese noch immer ein Tabuthema seien. „Wenn jemand im Fußball Probleme hat, muss er es nicht in sich hineinfressen, wie Robert Enke es getan hat", so Schmidt. Sportlich soll es weitergehen und sein Ziel ist es natürlich, gesund zu werden. 


Niklas Schmidt macht mit seinem öffentlichen Statement anderen Mut, über die eigenen Probleme zu sprechen und sich nicht zu verstecken. Mentale Angelegenheiten dürfen kein Tabuthema bleiben, nur dann bekommen Betroffene die notwendige Unterstützung.


Quelle: Gokixx

Foto: Imago Images/Nordphoto