Praxishilfen

Lärm

1 Was ist Lärm?
2 Lärmbereich
3 Wie wirkt Lärm und wozu kann er noch führen?
4 Schutzmaßnahmen


1 Was ist Lärm?

Die zunehmende Technisierung unserer Umwelt hat zur Folge, dass es immer mehr Lärmquellen in unserer Umgebung gibt. Das gilt für alle Lebensbereiche: Beruf, Haushalt und Freizeit.

Lärmquelle Maschine   Lärmquelle Bierzelt
Lärmquelle Schleifen

Eine der am häufigsten auftretenden Gesundheitsgefährdungen in der Arbeitswelt ist der Lärm. Am Arbeitsplatz entsteht Lärm durch Arbeitsverfahren, Maschinen und Geräte. Viele Maschinen und Geräte verursachen Lärm in einem Ausmaß, für das unser biologisches System nicht eingerichtet ist.

Die Folge können körperliche und seelische Beeinträchtigungen sein. Und Lärm kann krank machen: Lärm ist die Ursache einer der häufigsten Berufskrankheiten, der sogenannten "Lärmschwerhörigkeit". Lärmschwerhörigkeit ist für die Betroffenen ein großer Verlust an Lebensqualität und sie ist nicht heilbar!

Körperliche und psychische Beeinträchtigungen durch Lärm sind subjektiv und dementsprechend individuell verschieden, denn jeder Mensch empfindet Geräusche anders.

Die Belastung der Menschen ist hauptsächlich abhängig von Schalldruckpegel, Einwirkungsdauer, Häufigkeit des Auftretens, Frequenzzusammensetzung und Impulshaltigkeit des Lärms. Die individuelle Beanspruchung hängt außerdem von der Situation, in der sich der oder die jeweils Betroffene befindet, ab.

Dabei sind insbesondere von Bedeutung:

  • Gesundheitszustand (physisch und psychisch, zum Beispiel auch erhöhte Sensibilität einer werdenden Mutter)
  • Tätigkeit während der Geräuscheinwirkung
  • Gewöhnung und Einstellung zum Geräuscherzeuger

Lärm kann nicht nur zu Belastungen führen oder sogar krank machen. Er beeinträchtigt auch die Sicherheit bei der Arbeit. Lärm kann die Aufmerksamkeit und Konzentration, das Erkennen von Signalen, Ortungsvermögen und die sprachliche Kommunikation beeinträchtigen. Das erhöht das Unfallrisiko, weil fremde oder warnende Geräusche nicht frühzeitig wahrgenommen werden können.


2 Lärmbereich

Zum Schutz der Beschäftigten vor den schädlichen Auswirkungen von Lärm hat jeder Arbeitgeber/jede Arbeitgeberin im Rahmen der Beurteilung der Arbeitsbedingungen zu ermitteln, ob seine Beschäftigten Lärm ausgesetzt sind und alle hiervon ausgehenden Gefährdungen für die Gesundheit und Sicherheit der Beschäftigten zu beurteilen.

Bei der Beurteilung hat er unter anderem die Tages-Lärmexpositionspegel und die Spitzenschalldruckpegel an den Arbeitsplätzen zu ermitteln und bei Überschreiten der Auslösewerte Maßnahmen entsprechend des Stands der Technik zu veranlassen.

Als untere Auslösewerte sind ein Tagesexpositionspegel von
80 dB(A) und ein Spitzenschalldruckpegel von 135 dB(C) festgelegt.

Als obere Auslösewerte wurden ein Tagesexpositionspegel von
85 dB(A) und ein Spitzenschalldruckpegel von 137 db(C) festgelegt.

Als Lärmbereich wird ein Bereich definiert, in dem der obere Auslösewert erreicht oder überschritten wird.

Lärmbereiche sind zu kennzeichnen:

Gebotszeichen Gehörschutz


3 Wie wirkt Lärm und wozu kann er noch führen?

  • Lärmstress
  • Erhöhte Unfallgefährdung
  • Gereiztheit, Konzentrationsschwäche
  • Leistungsminderung
  • Schlechte Sprachverständigung
  • Hörminderungen
  • Schäden des Gehörs und Ausbildung einer Lärmschwerhörigkeit
  • Soziale Folgen durch Isolation bei Lärmschwerhörigkeit
  • Ohrgeräusche – Tinnitus
  • Erhöhtes Risiko für einen Hörsturz

4 Schutzmaßnahmen

Herstellende und einführende Unternehmen, die technische Arbeitsmittel einführen, sind gesetzlich dazu verpflichtet, diese nur dann in Verkehr zu bringen, wenn nach den allgemeinen Regeln der Technik beziehungsweise den Sicherheits- und Gesundheitsschutzregeln Gefahren bei der Anwendung nicht eintreten können.

Sind Personen Lärm ausgesetzt, ist zunächst durch den Unternehmer oder die Unternehmerin eine Beurteilung der Arbeitsbedingungen durchzuführen und die Expositionswerte sind zu ermitteln. Ziel ist es, durch technische oder organisatorische Maßnahmen den Lärm soweit zu vermindern, dass die unteren Auslösewerte unterschritten werden. Hierzu ist bei Lärmbereichen ein Lärmminderungsprogramm zu erstellen und umzusetzen. Kann trotz Umsetzen aller technischen oder organisatorischen Maßnahmen nicht erreicht werden, dass der Lärm soweit vermindert werden kann, sind folgende personenbezogene Maßnahmen erforderlich.

Bei Erreichen oder Überschreiten der unteren Auslösewerte muss der Arbeitgeber oder die Arbeitgeberin folgende Maßnahmen veranlassen:

  • Für die betroffenen Beschäftigten ist eine Unterweisung durchzuführen, die auf den Ergebnissen der Beurteilung der Arbeitsbedingungen beruht und Aufschluss über die Gefahren und die getroffenen Maßnahmen gibt.
  • Die betroffenen Beschäftigten erhalten eine allgemeine arbeitsmedizinische Beratung.
  • Geeigneter Gehörschutz ist zur Verfügung zu stellen. Der Gehörschutz ist so zu wählen, dass der einwirkende Lärm die maximal zulässigen Expositionswerte von 85 dB(A) beziehungsweise 137 dB(C) nicht überschreitet.
Gehörschutzkapsel   Gehörschutzstöpsel   Bügelgehörschutz

Gehörschutzkapsel

 

Gehörschutzstöpsel

 

Bügelgehörschutz

  • Die spezielle arbeitsmedizinische Vorsorge G20 „Lärm“ ist anzubieten (Angebotsvorsorge).

Wird der obere Auslösewert erreicht oder überschritten, das heißt, liegt ein Lärmbereich vor, sind zusätzlich folgende Maßnahmen erforderlich:

  • Es besteht Tragepflicht für den Gehörschutz.
  • Die spezielle arbeitsmedizinische Vorsorge G20 „Lärm“ ist durchzuführen (Pflichtvorsorge).

Arbeitsmedizinische Vorsorgeuntersuchung Gehör

Anmerkung: Das Tragen von Gehörschutz befreit nicht von der Pflicht einer arbeitsmedizinischen Vorsorge.


























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