Praxishilfen

Persönliche Schutzausrüstung im Gießerei-Bereich

1 Allgemeines
2 Fuß- und Körperschutz
3 Schutzkleidung
4 Handschutz
5 Augen- und Gesichtsschutz
6 Atemschutz
7 Weitere notwendige PSA


1 Allgemeines

Da in Gießereibetrieben die Gefährdung durch heiße Materialien besonders groß ist, werden hier auch besonders hohe Anforderungen an die persönliche Schutzausrüstung gestellt.

Die thermischen Gefährdungen entstehen nicht nur durch den möglichen Kontakt mit heißen Materialien, sondern durch Wärmestrahlung besteht auch eine Gefährdung der Augen. Darüber hinaus ist die mechanische und chemische Gefährdung zu berücksichtigen.

Die Gefährdungen in Gießereien sind vielfältig:

  • herabfallende Gegenstände,
  • bewegte Maschinenteile,
  • schmelzflüssiges Metall oder Schlacken sowie andere brennende oder heiße Arbeitsstoffe und Gegenstände,
  • Wärmestrahlung,
  • chemische Stoffe,
  • Lärm,
  • Staub,
  • Dämpfe von Bindemitteln und Gießrauchen.

Diese Vielfalt an möglichen Gefährdungen macht eine genaue Definition der benötigten persönlichen Schutzausrüstung notwendig.


2 Fuß- und Körperschutz

In allen Gießereien müssen Gegenstände, z. B. Gussstücke und Werkzeuge, gehoben, transportiert und abgesetzt werden. Sie können herab- oder umfallen und damit insbesondere Fuß- und Beinverletzungen verursachen.

Während des Schmelz- und Gießbetriebes können Schmelzen und Schlacken ausfließen. Wenn sie in die Schuhe gelangen, kann dies zu schwersten Fußverbrennungen führen.

In Gießereien ist deshalb das Tragen von Sicherheitsschuhen Pflicht. Darüber hinaus gibt es zusätzliche Anforderungen an Sicherheitsschuhe für Arbeiten in Gießereien.

Da Schmelzen und Schlacken trotz Gießerhosen und -gamaschen in den Schuh gelangen können, müssen sich die Schuhe schnell ausziehen lassen, damit die Verletzungen so gering wie möglich gehalten werden. Normale geschnürte Schutzschuhe sind hierzu ungeeignet, da das Öffnen der Verschnürung zu viel Zeit in Anspruch nimmt.

Bewährt haben sich die schnell zu öffnenden bzw. leicht abwerfbaren Gießerstiefel.

Gießerstiefel   Gebotszeichen Gießerstiefel

3 Schutzkleidung

In Gießereien bestehen vielschichtige Gefahren für Körper, Arme und Hände:

Gebotszeichen Schutzkleidung

  • Im Schmelz- und Gießbetrieb können die Beschäftigten durch Schmelzen, Schlacken und durch erstarrte, aber noch heiße Gussstücke Verbrennungen erleiden.
  • Schmelze kann beim Abstechen von Schmelzöfen, beim Abfangen und Umfüllen in Pfannen, beim Transport sowie beim Gießen überschwappen und verspritzen.
  • Schmelze kann aus Trennfugen von Formen herausfließen, wenn Formen beim Abgießen "durchgehen".
  • Schmelze kann herausgeworfen werden, wenn sie mit feuchtem Untergrund in Berührung kommt.

Zum Schutz vor Brandverletzungen muss im Schmelz- und Gießbetrieb Kleidung aus schwer entflammbarem Stoff getragen werden.


4 Handschutz

Gebotszeichen Handschutz

An zahlreichen Arbeitsplätzen, z. B. an Gussleerstellen, bei der Entnahme von heißen Kernen aus Kernformmaschinen oder bei der Bedienung von Druckgießmaschinen, müssen heiße Werkstücke oder Werkzeuge angefasst oder berührt werden.

Besteht die Gefahr von Handverbrennungen, müssen geeignete, gegen die Hitzeeinwirkung isolierende Schutzhandschuhe getragen werden.

Beim Umgang mit Formsand werden zum Teil Chemikalien wie Härter und Harze eingesetzt. Diese können zu Verätzungen oder anderen Schädigungen der Haut führen.

Hier ist das Tragen von geeigneten Schutzhandschuhen vorgeschrieben.


5 Augen- und Gesichtsschutz

In fast allen Gießereibetrieben bestehen Verletzungsgefahren für Augen und Gesicht.

Die Gefährdungen können z. B. durch

  • Spritzer von Schmelzen,
  • Fremdkörper, wie z. B. Sande, Strahlmittel, Splitter,
  • ätzende Stoffe, wie Harze und Härter,
  • Wärmestrahlung von Schmelzen

entstehen.

Schutzbrillen gegen mechanische Einwirkungen

Gebotszeichen Schutzbrille

Bei Strahlmaschinen und -anlagen sind die Voraussetzungen im Allgemeinen dadurch weitgehend erfüllt, dass der Strahlraum durch ein Gehäuse umschlossen ist. Da dennoch mit dem Austreten von Strahlmitteln gerechnet werden muss, besteht die Gefahr, dass Personen, die sich an den Strahlmaschinen aufhalten, Augenverletzungen erleiden.

In Arbeitsbereichen, in denen Gefährdungen für Augen oder Gesicht bestehen, muss deshalb Augen- oder Gesichtsschutz getragen werden.

Chemikalienschutzbrillen

Beim Umgang mit Härtern und Harzen, die überwiegend aus Säuren bestehen, sind Chemikalienschutzbrillen erforderlich.

Schutzbrillen gegen Strahlungen

Gebotszeichen Schutzbrille gegen Strahlungen

Sind die Augen der Einwirkung von Strahlungen, wie sie bei schmelzflüssigen Metallen auftreten, ausgesetzt, müssen die Sichtscheiben der Augenschutzmittel genügende Schutzwirkung gegen die Strahlungen besitzen. Wenn nicht nur die Augen, sondern das ganze Gesicht gefährdet sind, kann die Benutzung von Gesichtsschutzschilden notwendig werden.


6 Atemschutz

Die in Gießereien verwendeten Form- und Kernsande bestehen im Wesentlichen aus Quarzsand.

Beim Gussausleeren, Altsandtransport, Sandaufbereiten, Entfernen von Kernen aus Gussstücken, Gussputzen, Abblasen mit Druckluft und durch Aufwirbeln von Sand- und Staubablagerungen, z. B. auf Fahrwegen, entsteht lungengängiger Quarz-Feinstaub in der Umgebungsluft.

Quarz-Feinstaub lagert sich, wenn er eingeatmet wird, in der Lunge ab und kann Quarzstaub-Lungenerkrankungen (Silikose) verursachen. Deshalb muss bei allen Arbeiten, bei denen Quarz-Feinstaub entstehen oder in der Umgebungsluft vorhanden sein kann, dafür gesorgt werden, dass die Gießereiarbeiter/Gießereiarbeiterinnen gefährliche Staubmengen nicht einatmen können.

Gebotszeichen Atemschutz

Der Staub sollte möglichst an der Entstehungsstelle abgesaugt werden, damit er nicht in die Umgebungsluft gelangen kann. Wenn das nicht möglich ist und an der Arbeitsstelle mit starker Staubkonzentration zu rechnen ist, muss geeigneter persönlicher Atemschutz benutzt werden.

Gesichtsschutz für Sandstrahlarbeiten mit aktiver Frischluftzufuhr

Gesichtsschutz für Sandstrahlarbeiten mit aktiver Frischluftzufuhr

 

Beispiel für Atemschutz mit Partikelfilter

Beispiel für Atemschutz mit Partikelfilter


7 Weitere notwendige PSA

Gebotszeichen Gehörschutz

Durch den Betrieb von Maschinen, Geräten und durch Arbeitsvorgänge entsteht in Gießereien vielfach Lärm, z. B. durch Formmaschinen, Rütteleinrichtungen, Schleifmaschinen, Schleif- und Meißelarbeiten sowie bei Strahlarbeiten und beim Abblasen mit Druckluft.

Hier ist der Einsatz von geeignetem Gehörschutz vorgeschrieben.

Gebotszeichen Kopfschutz

Zusätzlich kann in Arbeitsbereichen, in denen die Gefahr von Kopfverletzungen besteht, das Tragen eines Schutzhelmes Pflicht sein.






















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