Unfallstatistik und Geschäftergebnisse 2000
Unfallstatistik: Trend positiv, aber verbesserungswürdig
Eine Zunahme der Anzahl der Mitgliedsunternehmen, eine Abnahme der Versichertenzahl und ein Anstieg der gemeldeten Arbeitsunfälle, Wegeunfälle und Berufskrankheiten kennzeichnen den Trend der Unfallstatistik für das Jahr 2000.
Der direkte Vergleich mit dem Vorjahr ist diesmal irreführend. Durch Einführung einer neuen Informationstechnik Ende 1999 wurden im Dezember gemeldete Unfälle und Berufskrankheiten erst Anfang 2000 erfasst, obwohl diese eigentlich dem Vorjahr zuzuordnen sind.
Erfreulich ist, dass sich im Jahr 2000 kein tödlicher Arbeitsunfall und nur ein tödlicher Wegeunfall ereignet hat. Auch wenn dies als eine vom Zufall bestimmte Entwicklung zu interpretieren ist, ergibt sich mittelfristig ein Trend zu weniger tödlichen Unfällen.
Weiter zugenommen hat die Anzahl der Anzeigen über den Verdacht auf eine Berufskrankheit. Wie in den Vorjahren betreffen die meisten Anzeigen Hauterkrankungen mit einem Anteil von fast 28% aller gemeldeten Verdachtsfälle. Fast verdoppelt haben sich gegenüber den Vorjahren die Verdachtsanzeigen auf eine bandscheibenbedingte Erkrankung der Hals- oder der Lendenwirbelsäule. Diese haben einen Anteil von 19% an allen der BG BAHNEN gemeldeten Fälle über den Verdacht auf eine Berufskrankheit. In weiteren 15% der Meldungen wird der Verdacht auf eine Lärmschwerhörigkeit geäußert.
Im Jahr 2000 hat der Messtechnische Dienst der BG BAHNEN 293 Messungen krebserzeugender und anderer gefährlicher Arbeitsstoffe sowie 338 Lärmmessungen in den Mitgliedsunternehmen durchgeführt. Diese Messungen dienten nicht nur der sorgfältigen Aufklärung des Zusammenhanges zwischen der Einwirkung gefährlicher Stoffe oder Lärm am Arbeitsplatz mit dem geäußerten Verdacht auf eine Berufskrankheit, sondern im erheblichen Umfang auch der Prävention. Es wurden Erkenntnisse gewonnen für die Beratung der Mitgliedsunternehmen über die Vermeidung von Einwirkungen und Belastungen am Arbeitsplatz. Auch die Messergebnisse anderer Berufsgenossenschaften wurden hierzu ausgewertet.
Nach wie vor werden wohl aus Unkenntnis der arbeitsmedizinischen und rechtlichen Zusammenhänge der Berufsgenossenschaft viele Fälle gemeldet, bei denen schon bei Beginn der Ermittlungen festgestellt werden kann, dass eine Bestätigung des geäußerten Verdachtes nicht zu erwarten ist. Dennoch lösen diese Fälle, oft durch ärztliche Anzeigen von Hausärzten ausgelöst, meist aufwendige Verwaltungsverfahren aus. Von den im Jahr 2000 abgeschlossenen Fällen konnten nur etwas über 15% als Berufskrankheit anerkannt oder dem Grunde nach anerkannt werden, weil in den anderen Fällen die medizinischen und rechtlichen Voraussetzungen nicht gegeben waren.
Die Unfallhäufigkeit hat auf 4,8 Unfälle und Berufskrankheiten je 100 Versicherte leicht zugenommen. Wegen des verhältnismäßig großen Anteils von Teilzeitbeschäftigungsverhältnissen und nur saisonal betriebenen Unternehmen liefert der Vergleich der Unfälle mit den geleisteten Arbeitsstunden ein genaueres Bild: Je 100.000 Arbeitsstunden sind im Jahr 2000 3,45 Arbeitsunfälle und Berufskrankheiten angezeigt worden. Dieser Wert ist im Vergleich zu den Vorjahren sogar leicht rückläufig.

* Wegen der großen Zahl von Saison- und Teilzeitarbeitskräften ist nur die auf die Arbeitsstunden bezogene Unfallhäufigkeit vergleichbar.

Die Anzahl der Wegeunfälle hat gegenüber dem Vorjahr um fast 6% zugenommen. Hierin sind einige Fälle enthalten, die eigentlich dem Jahr 1999 zuzuordnen sind. Auch wenn insgesamt Anzahl und Häufigkeit der Wegeunfälle immer noch bemerkenswert hoch sind, ist im mittelfristigen Vergleich festzustellen, dass der Anteil der Wegeunfälle an der Gesamtzahl aller Unfälle und Berufskrankheiten leicht rückläufig ist. Bei den meisten Wegeunfällen handelt es sich um Bagatellunfälle, die nur geringe Kosten für die Heilbehandlung verursachen. Weniger als 20% der Wegeunfälle verursachen mehr als 75% aller Kosten für diese Unfälle.
Die seit 1989 von der BG BAHNEN geförderte Teilnahme an einem Verkehrssicherheitstraining, das gemeinsam mit dem Deutschen Verkehrssicherheitsrat (DVR) entwickelt wurde und von qualifizierten Ausbildungsträgern durchgeführt wird, erfreut sich zunehmendem Interesse. Im Jahr 2000 haben fast 25% mehr Versicherte als im Vorjahr diese Möglichkeit in Anspruch genommen. Besonderer Beliebtheit erfreut sich dabei das Training für Motorradfahrer, für das doppelt so viele Teilnehmer gemeldet wurden wie im Jahr zuvor. Diese Entwicklung ist aus Sicht der Berufsgenossenschaft begrüßenswert, weil nach wie vor Motorradfahrer bei Unfällen die größten Verletzungsrisiken haben.
Auch das Interesse an Ausbildungsmaßnahmen für Ersthelfer ist im Jahr 2000 gestiegen. Einige Mitgliedsunternehmen sind vom Fachausschuss »Erste Hilfe« anerkannt diese Ausbildung selbst durchzuführen, die meisten bedienen sich der bekannten Erste- Hilfe-Organisationen als Ausbildungsträger. In 831 Aus- und Fortbildungslehrgängen wurden insgesamt 5.336 Teilnehmer in Erster Hilfe geschult. Dies entspricht einer Zunahme gegenüber dem Vorjahr von rund 18%.
( ) Unfälle, bei denen die Verletzung zum Tode führte.
*) Anzeigen auf Verdacht einer Berufskrankheit
Geschäftsergebnisse
Mehr Mitgliedsunternehmen, weniger Versicherte
Im Jahr 2000 ist die Zahl der Mitgliedsunternehmen der BG BAHNEN von 1.558 (1999) auf 1.597 (+2,5%) gestiegen. Die Zahl der Versicherten hingegen war leicht rückläufig (-2,15%) und zwar von 153.923 (1999) auf 150.612 (2000). Dabei gestaltete sich die Personalentwicklung in den einzelnen Bereichen unterschiedlich. Die Zunahme von Eisenbahnverkehrsleistungen im Güterverkehr hatte zur Folge, dass trotz der auch in diesen Mitgliedsunternehmen durchgeführten Rationalisierungsschritte die Zahl der Beschäftigten hier nahezu konstant blieb. Eine deutliche Zunahme der Beschäftigtenzahl ist bei Serviceunternehmen (Schlaf- und Speisewagenunternehmen) zu verzeichnen.
Insgesamt sind die Entgeltsummen für alle Versicherten um 0,1% gesunken.
Gestiegen sind im Jahr 2000 vor allem die Ausgaben für Heilbehandlungsmaßnahmen, und zwar um rd. 4,54 Mio. DM. Mit 1,08 Mio. DM wurde aufgrund einer Solidaraktion aller gewerblichen Berufsgenossenschaften die Binnenschifffahrts-Berufsgenossenschaft unterstützt. In dieser Aktion waren im Wesentlichen die in den nächsten Jahren ohnehin zu erbringenden Unterstützungszahlungen im Rahmen des berufsgenossenschaftlichen Lastenausgleichs kapitalisiert worden. In den Folgejahren wird insoweit eine adäquate Entlastung zu verzeichnen sein.
Insgesamt, vor allem durch die genannten Faktoren beeinflusst, ist das Umlagesoll für die BG BAHNEN um 5,50% (1999: 73,61 Mio. DM; 2000: 77,66 Mio.DM )gestiegen. Da die Entgeltsummen als weitere Bezugsgröße für die Beitragsberechnung leicht gesunken sind, ergibt sich eine Steigerung des Beitragsfußes von 2,17 DM im Jahre 1999 auf 2,28 DM im Jahre 2000 (+5,07%). Damit bewegt er sich in etwa auf dem Niveau der Jahre 1995, 1996 und 1998. Lediglich in den Jahren 1997 und 1999 lag er um 0,12 bzw.0,11 DM niedriger.
Rückläufig waren die Umlage für die BG-Ausgleichslast, mit der seit Jahrzehnten die Bergbau-Berufsgenossenschaft unterstützt wird, sowie die Fremdumlage für das Insolvenzgeld, welches die Träger der gesetzlichen Unfallversicherung zu Gunsten der Bundesanstalt für Arbeit einzuziehen verpflichtet sind. Der Beitragsfuß für die Ausgleichslast ist von 0,93 DM im Jahr 1999 auf 0,88 DM im Jahr 2000 (-5,38%) gesunken, der Beitragsfuß für das Insolvenzgeld von 1,80 DM im Jahr 1999 auf 1,72 DM im Jahr 2000 (-4,44 %).

