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Vom Interimstrainer zum Triple-Gewinner

Hansi Flick hebt nach dem Finalsieg über Paris den Champions League-Pokal in die Luft. Lissabon, August 2020

So führte Hansi Flick die Wende beim FC Bayern herbei

Nach dem Abpfiff des Champions-League-Finales schlossen sich Spieler und Verantwortliche des FC Bayern München in die Arme. Das 1:0 über PSG bedeutete das zweite Triple nach 2013 und markierte einen Erfolg, den kaum jemand dem noch neun Monate zuvor strauchelnden Rekordmeister zugetraut hätte. Doch mit der Installierung Hansi Flicks als neuen Chefcoach kam die Wende – aber warum?

Zunächst nur eine Übergangslösung

Am Abend des 3. November 2019, einen Tag nach der deftigen 1:5-Klatsche gegen Eintracht Frankfurt, musste Niko Kovac als Cheftrainer von Bayern München seinen Hut nehmen. Nach der Pleite in der Commerzbank-Arena stand der FCB am zehnten Spieltag nur auf dem vierten Tabellenplatz – zu wenig für die eigenen Ansprüche. Hansi Flick, seit Sommer 2019 als Assistent an der Säbener Straße aktiv, übernahm interimsweise für den Kroaten und führte den späteren Triple-Sieger zurück in die Erfolgsspur. Aber an welchen Stellschrauben drehte der 55-Jährige?


Taktische Veränderung nach Kovacs Abgang

Flicks Vorgänger wurde oftmals für seinen Spielstil kritisiert – zu unattraktiv seien die Auftritte der Bayern, zu lustlos die Defensivarbeit, zu ineffektiv das Pressing. Die Mängelliste war lang und wurde immer länger. Schon Wochen vor Kovacs Suspendierung bemängelten einzelne Spieler die Trainingsinhalte: Der Fokus auf der Defensivarbeit gefiel den Akteuren nicht, es solle doch bitte mehr auf variables (Ballbesitz-)Spiel und offensive Lösungsfindung eingegangen werden. Nach der Installierung von Flick hörte man solche Sätze nicht mehr aus dem Bayern-Lager, auch das Spiel wurde wieder ansehnlicher. Scheint, als hätte der neue Trainer seinen Jungs Gehör geschenkt.

„Mehr Geschichte in acht Monaten zu schreiben, ist einigermaßen schwierig.“ Jürgen Klopp, Trainer FC Liverpool  

Besserer Zugang zum Team

Womit wir beim zweiten Punkt wären: der Chemie in der Kabine. Kovac degradierte jahrelange Leistungsträger wie Thomas Müller („Notnagel“), was innerhalb der Mannschaft überhaupt nicht gut ankam. Seine öffentlichen Auftritte, in denen er an Selbstkritik sparte und lieber mit dem Finger auf seine Mannschaft zeigte, machten ihn nicht zum Sympathieträger.

Auch in diesem Punkt kam mit Hansi Flick die Wende: Der ehemalige Bundesliga-Profi setzte wieder auf verdiente Stars. Unter ihm fand „Notnagel“ Müller zurück zu alter Stärke und Leon Goretzka entwickelte sich innerhalb von nur neun Monaten vom Bankwärmer zu einem der formstärksten Mittelfeldspieler der Welt. Die Stimmung im Team wurde immer besser, der neue Übungsleiter brachte seinen Spielern Wertschätzung entgegen – vor allem auf menschlicher Ebene.

„Er hat es sehr schnell geschafft, einen Zugang zur Mannschaft zu bekommen. Er gibt jedem Spieler und Betreuer die Wertschätzung, die man sich erhofft. Die menschliche Seite ist top.“ Joshua Kimmich, FC Bayern München


Der Spaß am Spiel ist zurück

Die möglicherweise wichtigste Veränderung war allerdings der Spaß am Fußball, den Flick in den Vordergrund stellte und der sich auch dank schneller Erfolgserlebnisse einstellte. Dass der FCB über den qualitativ stärksten Kader der Bundesliga verfügt, ist über jeden Zweifel erhaben – und Flick ließ seine Mannschaft wieder agieren, wie sie es sich gewünscht hatte: offensiv, mit frühem Pressing und dem eigenen Strafraum als Tabu-Zone.

Und wenn ein Team so spielen kann, wie es sich das wünscht und das Gefühl hat, der Trainer geht auf die Bedürfnisse der Mannschaft ein, ist die Freude am Spiel automatisch größer. Flick hat das verstanden – und so scheint der Gewinn der Champions League gar nicht mehr so eine riesige Überraschung zu sein.


Hansi Flick hat Bayern München nach der Entlassung von Niko Kovac neues Leben eingehaucht und seinem Star-Ensemble die Lust am Kicken zurückgegeben. Deshalb ist sein Anteil an der erfolgreichen Saison nicht hoch genug einzuschätzen und Flick ist zweifelsfrei einer, wenn nicht sogar der Held der überaus erfolgreichen Bayern-Spielzeit 2019/20.



Quelle: Gokixx