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Kriselnde Talentschmiede

La Masia-Fanchoreographie im Stadion des FC Bacelona. Bacelona, April 2014

Ex-Stürmerstar soll Barcelonas Nachwuchsbereich wieder zum Erfolg führen

Lionel Messi – kaum ein Name ist so sehr verbunden mit dem FC Barcelona und seiner Jugendakademie „La Masia“, wie der des Argentiniers. Doch in den vergangenen Jahren schafften immer weniger Spieler den Sprung von dort in die erste Mannschaft. Bezeichnend dafür ist auch das Ausscheiden in der Gruppenphase der diesjährigen Youth League. Dort wurde der Barca-Nachwuchs von Borussia Dortmunds U19 endgültig rausgekegelt. Doch woran liegt es, dass das einstige Aushängeschild im Jugendbereich nicht mehr das Maß aller Dinge ist?

Der Mythos „La Masia“

In diesem Jahr feiert die legendäre Jugendabteilung des FC Barcelona ihr 40-jähriges Bestehen. Die Liste der herausgebrachten Talente ist lang. Viele wurden zu Weltstars und haben den Fußball durch ihre Spielart wirksam verändert. Die Rede ist von Spielern wie Sergio Busquets, Gerard Piqué. Cesc Fabregas, Pep Guardiola – der die Spielphilosophie nun als Trainer weiterlebt – Xavi Herandez, Andres Iniesta und natürlich Lionel Messi! Sie alle durchliefen die Ausbildung des katalanischen „Bauernhauses“, was La Masia übrigens übersetzt bedeutet. Den Durchbruch schaffte La Masia 1988, als Johan Cruyff Trainer der ersten Mannschaft des Vereins wurde. Er führte ein, dass der Club in allen Alterklassen mit demselben Spielsystem agierte. So war es für die Jugendspieler einfacher, sich später in die erste Mannschaft zu integrieren. Der mittlerweile verstorbenen Niederländer verpasste dem ganzen Club, und somit auch der Jugendabteilung, seine Philosophie. La Masia wurde zur Akademie des Passes. Die Haupttrainingsmethode war der „Rondo“. Bei uns bekannt als 5-gegen-2. Die Denkweise des Klubs war stets: Wenn du gut im Rondo bist, kannst du für Barcelona spielen. Die Verteidiger lernen koordiniertes Pressing und die passenden Spieler entwickeln ihre Passlinien. Der „dritte Mann“, wie Cruyff ihn nannte, muss sich bei jedem Pass in Position bringen, um für den darauffolgenden Pass anspielbar zu sein. Bewegung ohne Ball ist hier das Stichwort.

„Große Spieler wie Messi, Iniesta, Xavi haben uns komplexe dynamische Systeme gezeigt, die uns kein Buch vermitteln könnte.“ Paco Seirul lo Vargas (Co-Trainer Cruyff)

Ihr Passspiel und die Bewegung ohne Ball demonstrierten sie Mal für Mal in zahlreichen Partien. Im Champions-League- Spiel gegen Celtic Glasgow erreichten sie sogar einen Ballbesitzwert von 89 Prozent. In der zweiten Halbzeit lag der Wert sogar bei über 90 Prozent. Solche Werte entstehen, wenn schon von klein auf gepredigt wird: Das Passspiel ist das Wichtigste im Fußball. Dass die „kleinen“ das verstanden haben, zeigte sich in einem Spiel am November 2012. Zeitweise waren alle elf auf dem Platz stehenden Barca-Akteure Spieler, die in La Masia ausgebildet wurden.


Immer weniger Jugendspieler wechseln in die erste Mannschaft

Vor eineinhalb Jahren schlug dieses Bild allerdings in das andere Extrem aus: Am 17. April 2018 stand kein einziger La-Masia-Spieler in der Startaufstellung. Sind die glanzvollen Zeiten von La Masia, die zusammen mit der Ajax-Akademie als Aushängeschild in Sachen Jugendarbeit galt, etwa vorbei? Heute schaffen es kaum noch Spieler aus der Jugend in die erste Mannschaft. In den vergangenen zehn Jahren schaffte es mit Sergi Roberto nur eineinziger Spieler, sich im Kader der ersten Mannschaft zu etablieren. Barca ist, entgegen ihrer Philosophie der vergangenen Jahrzehnte, dazu übergegangen, Superstars zu kaufen. 125 Millionen Euro für Ousmane Dembele, 145 Millionen Euro für Coutinho und zuletzt 75 beziehungsweise 120 Millionen Euro für Frenkie De Jong und Antoine Griezmann. Sogar für die Kaderplätze hinter der ersten Elf, werden Backups gekauft, anstatt Spielern aus den eigenen Reihen eine Chance zu geben. Die Botschaft kommt auch bei den jungen Spielern an.

„Das Leben endet nicht mit Barcelona. Wenn du das Vertrauen nicht bekommst, musst du einen Klub finden, wo sie dir das Vertrauen und die Minuten geben.“Arnau Tenas

Im aktuellen Kader der ersten Mannschaft stehen sieben einstige La-Masia-Talente. Das hört sich zuerst einmal gut an. Allerdings sind von diesen sieben nur zwei unter 26 Jahren. Im Vergleich dazu: 2013 waren ganze 17 von 25 Spielern aus der eigenen Jugend. Man erkennt die Entwicklung, dass immer weniger Talente den Sprung in die Profi-Mannschaft schaffen. Deswegen verlassen viele frühzeitig den Verein, da sie woanders mehr Perspektive auf Spielpraxis sehen. Aber auch unter den abgewanderten Spielern finden sich in den vergangenen Jahren kaum Top-Stars.


Mit Patrick Kluivert zu alter Stärke?

Die emotionale Bindung zwischen dem Klub und seinen Jugendspielern, das Credo „Mes que un club!“ – Mehr als nur ein Verein – geht mehr und mehr verloren. Um sowohl diese Bindung als auch die Perspektive auf Einsätze in der ersten Mannschaft zu stärken, installierte der Verein im Sommer Patrick Kluivert als Chef der Jugendakademie. Der ehemalige Barca-Stürmer hat eine klare Vorstellung: Er möchte zu alten Traditionen zurückkehren und vermehrt Jugendspieler einbauen. Das wurde auch beim Neymar-Transfer deutlich.

„Ein Transfer Neymars bedeutet, dass man Spieler ausbremst, die schon im Verein sind.“ Patrick Kluivert

Die aktuellen Hoffnungen von Barca liegen auf Ansu Fati. Der 17-jährige verlängerte gerade erst seinen Vertrag bis 2022. Die Ausstiegsklausel liegt bei 170 Millionen Euro. Sobald er seinen ersten Profi-Vertrag erhält, erhöht sie sich sogar auf 400 Millionen. Bei seinem Debüt im August war er der jüngste Barca-Spieler seit 78 Jahren.

„Für mich ist La Masia die beste Fußballschule der Welt. Sie halfen mir seit dem Tag an dem ich ankam und ich bin jedem, der hier arbeitet extrem dankbar.“ Ansu Fati

Ob Kluivert den Zauber von La Masia wiederbeleben kann, bleibt abzuwarten. Die Fans des katalanischen Vereins hätten in Zukunft nichts, gegen mehr Eigengewächse in der ersten Mannschaft. Denn: „La Masia no se toca!“ – „La Masia ist unantastbar!“


Die legendäre Fußballschule des FC Barcelona kann auf 40 Jahre Erfolg und hervorgebrachte Weltklassespieler zurückblicken. Im vergangenen Jahrzehnt schaffte es allerdings nur Sergi Roberto, sich in der ersten Mannschaft zu etablieren. Es wird vermehrt Geld für große Stars ausgegeben. Mit Patrick Kluivert wurde ein neuer Leiter der Jugendabteilung eingestellt, der den Verein zu alten Tugenden zurückführen soll.



Quelle: Gokixx