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Freiburgs Schlotterbeck-Brüder

Keven und Nico Schlotterback im Einsatz für die zweite Mannschaft des SC Freiburg gegen Mainz 05 II in der Regionalliga Südwest. Mainz, November 2018

Ihr ungleicher Weg zum Profifußball

In den vergangenen Wochen haben die Brüder Keven und Nico Schlotterbeck ihr Profidebüt beim SC Freiburg gegeben. Während Keven (21) am 27. Spieltag gegen den FC Bayern München bereits seinen vierten Einsatz verbuchte, feierte Nico (19) sein Bundesligadebüt beim Heimsieg gegen Hertha BSC. Beide Verteidiger bewiesen eindrucksvoll ihre Bundesligatauglichkeit. Und das mit durchaus ähnlichen Stärken, obwohl ihr Weg dorthin sehr unterschiedlich verlaufen ist. Wir erzählen euch die besondere Story der beiden Brüder.

Zwei unterschiedliche Werdegänge – ein Ziel

Keven und Nico Schlotterbeck wurden beide in Weinstadt, 15 Kilometersüdlich von Stuttgart, geboren. Fußball liegt den Jungs bereits früh im Blut, ihr Onkel Niels kickte als Profi für die Stuttgarter Kickers, Hansa Rostock und den SC Freiburg. Sein Talent schlummert in den Neffen. Sichtungsturniere auf Landesebene öffnenden Jungs schon frühdie Türzu Profivereinen:Keven wird von den Stuttgarter Kickers verpflichtet, der drei Jahre jüngere Nico überzeugt Scouts vom VfR Aalen. Während sich Nico schnell etabliert, über die U17 des Karlsruher SC in die Freiburger Fußballschule wechselt, mit der U19 des Sport-Clubs den DFB-Juniorenvereinspokal gewinnt und sogar erste Länderspiele für die U18, U19 und U20-Nationalmannschaft absolviert, stockt bei seinem älteren Bruder die Entwicklung. Die Kickers setzen nicht mehr auf den Defensivspieler. Über den VfL Kirchheim landet Keven schließlich beim Verbandsligisten TSG Backnang. Der Traum vom Profi schien geplatzt. Statt professioneller Ausbildung in einem modernen NLZ stand knallharter Amateurfußball auf dem Plan. Doch der 1,89 m große Verteidiger setzt sich durch, reift in der 6. Liga und ruft ausgerechnet den Verein seines Bruders auf den Plan. Der SC verpflichtete Keven zunächst für die U23. Für die Spielzeit 2019/20 rückt Keven in den Profikader auf, absolviert die Vorbereitung und kommt, durch die Verletzungsmisere der Profimannschaft, unverhofft früh zu seinen ersten BL-Einsätzen. Kurze Zeit später ist es auch für Nico, der in der aktuellen Saison in die U23 des Bundesligisten aufgerückt war, soweit. Er wird für die zweite Halbzeit gegen Hertha BSC eingewechselt und ist entscheidend am 2:1-Siegtreffer der Breisgauer beteiligt.


Die Parallelen auf dem Platz: Ruhe, Stabilität, Zweikampfstärke

Schaut man sich das Spiel der beiden Brüder etwas genauer an, fällt auf, dass nicht nur der Name auf dem Rücken Parallelen aufzeigt. Beide Schlotterbecks agieren bei ihrem Debüt überraschend ruhig, weisen eine enorme Stabilität in ihrem Spiel aus. Mit einer starken Zweikampfführung und unaufgeregtem Stellungsspiel drücken beide der Freiburger Defensive ihren Stempel auf. Ihre Stammposition ist die Innenverteidigung, insbesondere Nico kann aber auch die des Außenverteidigers bekleiden. Beide können sowohl in einer Dreier- und Viererkette auflaufen. Eine weitere Gemeinsamkeit ist zudem die Torgefährlichkeit bei Standards. Keven konnte in der vergangenen Saison der Regionalliga Süd/Südwest drei Tore erzielen, Nico kommt in der U19-Bundesliga sogar auf sieben Treffer. Bei seinem BL-Debüt wird schnell klar, dass Nico diese Stärken auch auf allerhöchstem Level einbringen kann. Bei einem Eckball geht der Youngster mutig zum Ball und zwingt den erfahrenen Hertha-Kapitän Vedad Ibisevic zu einem Eigentor. Und auch Keven hat bei seinem Startelfdebüt (Kickernote: 2,0) gegen M´gladbach nach einem Standard die Chance auf den Treffer, sein Versuch geht jedoch knapp am Tor vorbei.


Bald gemeinsam in der Bundesliga?

SC-Cheftrainer Christian Streich ist mit beiden Debütanten sehr zufrieden. Beide machen ihre Sache bislang sehr gut. Trotz der Konkurrenzsituation besteht absolut kein Neid unter den Brüdern. Dies und die Tatsache der vielen Gemeinsamkeiten im Spiel der Breisgauer macht ein Innenverteidiger-Duo Schlotterbeck in der Zukunft beim SC Freiburg nicht unwahrscheinlich:

„Das wäre natürlich ein Riesentraum für meine Eltern und für uns zwei, wir verstehen uns sehr gut. Wir müssen abwarten, wie sich mein Bruder weiterentwickelt, wie ich mich weiterhin präsentiere – und dann muss man schauen, ob es tatsächlich so weit kommt. Es wäre sicherlich toll, mal mit meinem Bruder zusammen in der Bundesliga zu spielen.“

(Keven Schlottberbeck, SC Freiburg)

In den vergangenen Partien spielte zwar nur Keven, aber auch Nico stand wieder im Bundesligakader. Vielleicht erleben wir in dieser Saison neben den Eggestein-Brüdern und den Bender-Zwillingen mit den Schlotterbecks ein weiteres Brüder-Paar für einen Bundesligisten in gemeinsamer Aktion. Doch bis dorthin müssen beide ihren bisherigen Weg konsequent weitergehen. So unterschiedlich ihr Werdegang bis zum Profidebüt auch war, ab sofort steht für beide alles auf Anfang. Nun zählt es sich in jedem Training und jeder Einsatzminute weiterzuentwickeln und den Prozess zum Bundesligaprofi erfolgreich zu absolvieren. 


Die Geschichte der Schlotterbeck-Brüder zeigt, wie unterschiedlich der Weg in die Bundesliga sein kann. Trotz ähnlichem Talent hatte Keven heftigere Rückschläge auf seinem Weg zum Profi erleiden müssen. Sein Wille und Beispiel zeigt, dass die richtige Mentalität jeden ans Ziel bringen kann. Ein NLZ-Schüler wie Nico hat durch seine Ausbildung zunächst einen Vorteil, aber auf dem Sprung in den Profibereich werden die Karten wieder neu gemischt und jedes Talent muss sich neu beweisen.



Quelle: Gokixx