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Zurück zu alter Stärke

Kölns Johannes Geis während eines Zweitliga-Spiels gegen den FC St. Pauli. Köln, Februar 2019

Kölns Johannes Geis im Porträt

Johannes Geis ist wieder im deutschen Profifußball angekommen. Nach sportlich schwierigen Zeiten in Spanien und einer unglücklichen Rückkehr zu Schalke, kann der 25-Jährige beim 1. FC Köln zurzeit immer mehr an seine erfolgreichen Leistungen aus früheren Zeiten anknüpfen. Wir haben uns den Werdegang des aus dem Nachwuchs der SpVgg Greuther Fürth stammenden Mittelfeldspielers einmal genauer angeschaut und zeigen, warum er aktuell wieder zu alter Stärke zurückfindet.

Aus Greuthers Jugend in die Champions League 

Der heutige Kölner wurde hauptsächlich bei der SpVgg Greuther Fürth ausgebildet, wo er zwischen 2008 und 2013 spielte. Über 50 Partien absolvierte der Mittelfeldspieler in den Juniorenbundesligen und überzeugte mit starken Leistungen. Ab der U16 durchlief er sämtliche Mannschaften der DFB-Auswahlen und schaffte den Sprung zu den Profis der Fürther, wo er auf Anhieb glänzte. Insbesondere sein Siegtreffer im Derby gegen den 1. FC Nürnberg blieb in positiver Erinnerung, trotz des bitteren Bundesligaabstieges. Geis’ Weg in der Bundesliga ging allerdings weiter. Er wechselte zum 1. FSV Mainz 05 und entwickelte sich unter Thomas Tuchel zu einem absoluten Leistungsträger. Über den FC Schalke, wo er erste schwierige Phasen erlebte, landete er beim FC Sevilla und spielte mit dem damaligen Euro-League-Gewinner sogar in der Champions League. Doch konnte Johannes Geis in Spanien sportlich immer weniger Akzente setzen und ging zurück nach Gelsenkirchen. S04-Coach Domenico Tedesco setzte aber nicht auf den Rückkehrer und so landete er schließlich beim Zweitligisten aus Köln. 


Steiniger Weg des frühen Derbyhelden

Trotz früher Erfolge in Fürth und in Mainz war die Karriere von Johannes Geis bislang eher von Rückschlägen gekennzeichnet. Obwohl mit einer überragenden Perspektive und dem glänzenden Ruf eines tiefspielenden Spielmachers ausgestattet, der mit zielgerichteten Bällen seine Mitspieler stark in Szene setzen konnte, versetzte ihm eine unglückliche Aktion einen enormen mentalen Rückschlag. Im Herbst 2015 unterlief dem damals 22-Jährigen ein hartes Foul im Spiel gegen Borussia M´gladbach. Fünf Spiele Sperre und eine wochenlange Diskussion in den Medien über den übertriebenen Einsatz waren die Folgen, die nicht spurlos an dem noch jungen Fußballer vorbeigingen.

„Nach meiner roten Karte bin ich in ein kleines Loch gefallen, danach musste ich erstmal wieder zurückkommen. Mich hat es erschüttert, wie die Medien draufgehauen haben, da ich ja bis dahin in keinster Weise als Treter in Erscheinung getreten bin“. (Johannes Geis, 1. FC Köln)

Gehemmt wurde seine weitere Entwicklung zudem dadurch, dass sein Klub auf ein neues taktisches Konzept mit Dreierkette setzte. Der abkippende Spielmacher war nicht mehr gefordert und Geis Stärken kamen seltener zur Geltung. Mit der Leihe nach Sevilla sollte diese wieder gefördert werden. Doch auch in Spanien fand sich der junge Spieler einer schwierigen Situation ausgesetzt: Viele Trainerwechsel und die komplett neue Rolle als Innenverteidiger eingesetzt zu werden, fielen neben der Gewöhnung an eine neue Sprache und Kultur nicht leicht. Er kehrte zurück ins Ruhrgebiet. Coach Tedesco ließ allerdings schnell durchblicken, dass er keine Perspektive bei den Königsblauen besitzt. Ein erneuter Wechsel war die logische Konsequenz.


Neuanfang in Köln

Bei seinem neuen Klub war die Skepsis zunächst groß. Mangelnde Spielpraxis, körperlicher Zustand – viele zweifelten am Neuzugang. Aber Geis zeigte, dass ihn die schwierigen Situationen aus den vergangenen Jahren stark gemacht haben. Er kämpfte sich ins Team, spielte eine starke Vorbereitung in der Winterpause und überzeugte durch eine enorme Willenskraft. Bereits als Nachwuchsspieler in Fürth lernte der Mittelfeldstratege, dass er mehr arbeiten muss als andere, um zum Erfolg zu kommen. Damals schaute sich der junge Geis vermehrt Videos an, um an seinen Standards zu arbeiten. Bis heute eine seiner größten Stärken.

„Ich habe mir Videos angeschaut, um mir bei den Profis die Details abzuschauen und das dann selbst zu verfeinern. Besonders Juninho von Olympique Lyon und seine extravagante Schusstechnik waren zu dieser Zeit für mich sehr interessant.“ (Johannes Geis)

In sämtlichen Rückrundenpartien kam er bislang über die volle Spielzeit zum Einsatz. Seine Mentalität, trotz der Rückschläge nicht aufzugeben, hilft ihm dabei wieder an seine alte Stärke anzuknüpfen. Zu keinem Zeitpunkt hat der gebürtige Schweinfurter sich über seine Situationen beschwert, gehadert oder seinen Glauben in die eigene Stärke verloren. Gepaart mit dem Trainingsfleiß und der richtigen Situation im Verein kann Geis ein entscheidender Faktor im Kampf um den Bundesligaaufstieg der Kölner werden.


Geis schaffte als großer Hoffnungsträger den Sprung aus dem Nachwuchsleistungszentrum von Greuther Fürth zu den Profis. Sein Werdegang zeigt allerdings, dass auch die größten Talente nicht von Karrieretiefs verschont bleiben. Mit der richtigen Mentalität reagierte der heute 25-Jährige auf diese Phasen und konnte in den vergangenen Wochen in seinem neuen Klub wieder voll überzeugen.



Quelle: Gokixx