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Bereichsmenu DFB-Umbruch - Teil 2

Generationswechsel in der Nationalmannschaft

Timo Werner, Kai Havertz und Jonas Hector gratulieren Serge Gnabry zum Tor im Testspiel gegen Russland. Leipzig, November 2018

Teil 2: So geht der DFB den Umbruch an

Nachdem die deutsche Nationalmannschaft erst bei der Weltmeisterschaft und dann auch in der Nations League gescheitert ist, ließ der nötige Umbruch lange auf sich warten. Doch spätestens seit der Verabschiedung der Weltmeister Boateng, Hummels und Müller wurde klar, dass Bundestrainer Löw die Mannschaft konsequent umbauen möchte. Reine Personalwechsel werden allerdings nicht ausreichen, um die Lücke zu schließen, die zu Nationen wie Frankreich, Belgien und England aufzuklaffen droht. Wir zeigen, wie der DFB den Umbruch vorantreibt, um den taktischen Veränderungen und der Konkurrenzsituation mit anderen Verbänden und deren Nachwuchsarbeit wieder gerecht zu werden.

Personelle Veränderung als erster Schritt

Wie häufig in schwierigen sportlichen Situationen wurden auch bei der deutschen Nationalmannschaft personelle Konsequenzen gefordert. Der frühere Erfolgstrainer Löw war nicht mehr unantastbar. Es wurde offen über seine Ablösung diskutiert. Doch der DFB schenkte Löw weiter das Vertrauen. Es hat gedauert, doch mittlerweile hat er die Mannschaft massiv umgekrempelt: Im Testspiel gegen Serbien fand sich mit Manuel Neuer nur noch ein Weltmeister in der Aufstellung wieder: Überhaupt sind nur noch vier Spieler im Kader, die 2014 in Brasilien dabei waren. Mit Tah, Klostermann, Halstenberg, Havertz und Sané standen zudem gleich fünf Spieler in der Anfangsformation, die in Russland nicht dem Nationalteam angehörten. Löw hat die Mannschaft nachweislich verjüngt. Ziel des Bundestrainers ist es, eine neue zentrale Achse aufzubauen. Zurzeit scheint es darauf hinauszulaufen, dass Süle der neue Abwehrchef ist, Kimmich fest als Sechser eingeplant und Werner wohl im Normalfall den Stürmer geben wird. Hinzu kommt der Unterschiedsspieler Leroy Sané, der bei der WM in Russland schmerzlich vermisst wurde und seitdem noch deutlich gereift ist. Lediglich Neuer scheint – trotz der starken Leistungen von Marc-Andre ter Stegen – unantastbar zu sein und bildet somit den letzten Teil der Achse.


Neue Spielphilosophie und Taktik

Eine große Frage, die sich viele Experten stellen ist, ob auch auf taktischer Ebene ein Umbruch stattfindet. Löw wird schon lange vorgeworfen, taktisch unflexibel zu sein. Umso überraschender war dann die 3-4-1-2-Formation mit Fünferkette, die der Bundestrainer gegen die Niederlande ins Rennen schickte. Es war ein erster Schritt, sich taktisch weiterzuentwickeln. Das belegen die aktuellen Nominierungen schneller und technisch starker Spieler wie Sané, Havertz, Reus, Brandt, Gnabry und in der Defensive Halstenberg und Klostermann. Löw legte seine Überlegungen über die neue Spielphilosophie zuletzt auf einer Pressekonferenz dar: Er will wieder eine bessere Mischung aus Ballbesitz und Konterfußball finden. Dazu räumt er ein, dass unter dem stetigen Mantra des Ballbesitzspiels als einzig richtige Option das Gegenpressing gelitten hat und es der deutschen Mannschaft häufig an Dynamik und Zielstrebigkeit fehlt. Diese will er in die neue Spielphilosophie integrieren und wieder neues Feuer und vor allem Speed auf den Platz bringen. Die erste Hälfte des Holland-Spiels hat diese Vorgabe eindrucksvoll gezeigt: Das Sturmduo Gnabry/Sané bewies, dass eine deutsche Nationalmannschaft eine taktische Antwort auf die aktuelle Spielweise internationaler Topmannschaften gefunden hat. Gepaart mit ihren individuellen Stärken und dem Vertrauen des Bundestrainers kann hier ein erfolgreicher Neustart gelingen.  


Veränderungen im Nachwuchsbereich

Zu lange sind in Jugendmannschaften die Individualisten nicht mehr richtig gefördert worden. Es braucht nun mehr Unterschiedsspieler wie Gnabry oder Sané, die das eins gegen eins-Spiel suchen, Laufwege in die Tiefe machen und rotieren. In einem immer schnelleren Spiel mit immer kleineren Räumen will der DFB Spieler ausbilden, die unter Zeitdruck Lösungen finden. Daher komme es auch vermehrt auf die kognitiven Bereiche an, die nun insbesondere in den U-Teams besser geschult werden sollen. Der Umbruch soll sich nicht nur auf die A-Mannschaft und eine reine Verjüngung des Kaders beschränken. Auch in der Ausbildung soll ein Umdenken stattfinden, damit man den Anschluss an die momentanen Top-Nationen im Nachwuchs nicht verliert. Diese haben schon seit einigen Jahren ihre Ausbildung auf die Ansprüche des aktuellen Fußballs adaptiert haben und ihre Talente kommen frühzeitiger in den Top-Ligen zum Einsatz. Es kommt nicht von ungefähr, dass die momentan besten jungen Spieler Deutschlands wie Sané, Havertz, Brandt, Gnabry und Werner, genau diese Qualitäten zeigen. Alle haben im jungen Alter eine erhebliche Anzahl von Ligaspielen für ihre Vereine bestritten und auch schon Erfahrungen im Europapokal gesammelt. In Zukunft müssen diese Spieler die deutsche Nationalmannschaft führen und Vorbilder für die Nachwuchsspieler um den 2000er Jahrgang mit Jan Fiete Arp werden. Schnelligkeit, Mut und Effizienz sollen als zentrale Bausteine für diese Entwicklung stehen.   


Der Umbruch beim DFB wurde offiziell eingeleitet. Von den Weltmeistern aus Rio sind nur noch vier im Kader verblieben, ansonsten wurde die deutsche Nationalelf stark verjüngt. Doch das reicht nicht. Auch taktisch und spielphilosophisch sind Veränderungen zu erkennen. Auf neue Trends und Systeme muss eine Mannschaft eingehen, die um Titel mitspielen möchte. Jetzt wird es höchste Zeit, für die Ausbildung neuer Talente. Für viele junge Spieler ist das jetzt die Möglichkeit, sich zu beweisen und für einige, die in die alte Spielphilosophie nicht hineinpassten, könnte sich so eine neue Chance ergeben.



Quelle: Gokixx