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Bereichsmenu DFB-Umbruch - Teil 1

Generationswechsel in der Nationalmannschaft

Teammanager Oliver Bierhoff, Assistenztrainer Marcus Sorg und Nationaltrainer Jogi Löw, verfolgen das WM-Gruppenspiel gegen Südkorea. Kazan, Juni 2018

Teil 1: Darum ist der DFB-Umbruch notwendig

Das Jahr 2018 war kein gutes für den Deutschen Fußball Bund und vor allem nicht für sein einstiges Aushängeschild die A-Nationalmannschaft. Nach endlosen Diskussionen um eine überholte Taktik und die fehlenden Antworten auf die aktuelle Spielweise anderer Nationen, schied die Truppe um Bundestrainer Joachim Löw bei der Weltmeisterschaft in Russland sang- und klanglos als Gruppenletzter aus. Der danach angekündigte Umbruch ließ lange auf sich warten. Erst ein erneut schlechtes Abschneiden in der Nations League offenbarte dem DFB den logischen Weg eines gnadenlosen Umbruchs. Wir zeigen, warum Veränderungen aufgrund der taktischen Entwicklungen und der Konkurrenzsituation der Verbände und deren Nachwuchsarbeit alternativlos sind.

Das Länderspieljahr 2018

Die Bilanz der deutschen Fußballnationalmannschaft im Kalenderjahr 2018 war verheerend: Bei der Weltmeisterschaft landete man in einer Gruppe mit Mexiko (0:1), Schweden (2:1) und Südkorea (0:2) auf dem letzten Tabellenplatz der Gruppe. Es war das erste Mal überhaupt, dass eine deutsche Auswahl in der Gruppenphase einer WM gescheitert war. Anschließend folgten in den letzten sechs Partien des Jahres noch zwei Testspielsiege sowie zwei Unentschieden und zwei weitere Pleiten in der neu eingeführten Nations League. Auch in diesem Turnier landete man dadurch auf dem letzten Gruppenplatz und stieg aus der Riege der Elite der europäischen Nationalmannschaften ab. Wenig ist geblieben von dem Glanz des WM-Titels 2014. In Europa ist man jetzt offiziell nur noch zweitklassig. Es sollte eine minutiöse Aufarbeitung des WM-Turnieres folgen, die dann sehr dezent ausfiel. Von einem echten Umbruch in der Nationalmannschaft, den viele Experten forderten, konnte trotz vereinzelter personeller Änderungen keine Rede sein.


Neue taktische Entwicklungen und Herausforderungen

Nach dem WM-Titel 2014 wirkte es, als hätte die deutsche Nationalmannschaft einige taktische und spielerische Entwicklungen verschlafen. Man begann, sich an seinem ewig gleichen auf Ballbesitz und -kontrolle ausgelegten Spiel zu berauschen. Dabei wurde dieser irgendwann zum reinen Selbstzweck. Die deutsche Mannschaft erstickte an ihrem eigenen Ballbesitz und schob die Kugel hin und her, ohne eine Lösung zu finden, wie man das Bollwerk der gegnerischen Mannschaften durchbrechen konnte. Anderen Ländern ist das in den vergangenen Jahren deutlich besser gelungen: Weltmeister Frankreich agiert aus einer starken Defensive und profitiert von der extrem hohen individuellen Klasse seiner Spieler im Umschaltspiel. England hat mit seinem Stoßstürmer Harry Kane Flanken und Standardsituationen wieder salonfähig gemacht. Belgien steht für ein technisch anspruchsvolles Kombinations- und Konterspiel. Was aber alle diese Mannschaften verbindet, ist ein unglaublich hohes Tempo in der Offensive. Dieses ging der deutschen Nationalelf leider irgendwann komplett verloren.


England, Frankreich und Belgien haben die Nase vorn

Betrachtet man andere Länder, so scheinen gerade die Top-Nationen aus einem riesigen Pool an Talenten zu schöpfen. Die Jugendteams von Belgien und Frankreich spielen bei internationalen Turnieren einen tollen Fußball und spülten in den vergangenen Jahren regelmäßig neue Weltstars in die A-Nationalmannschaft. Über allem schweben im Nachwuchsbereich momentan die englischen Vertretungen. Das Mutterland des Fußballs stellte 2017 in der U19 den Europameister sowie in der U20 und der U17 den Weltmeister. Das aktuelle Nationalteam profitiert extrem von der Qualität der jungen Spieler und wächst zu einem echten Spitzenteam heran. Doch wie ist es um den deutschen Nachwuchs bestellt? Die deutsche Mannschaft gewann 2017 mit einem nahezu reinen U23-Team den Confederations Cup und fast zeitgleich die U21-Europameisterschaft. Aktuell hinken die U-Teams aber hinterher. Die U19 des DFB konnte sich wiederholt nicht für eine internationale Endrunde qualifizieren. Viele der deutschen Spieler haben ein ordentliches Niveau, aber kaum das Potential für den Unterschied. Viele Nachwuchsspieler bekommen nicht die Einsatzzeiten, die sie bräuchten, um sich zu entwickeln. Teilweise liegt es daran, dass ihnen ausländische Talente vor die Nase gesetzt werden. Hier sind vor allem Jadon Sancho, Christian Pulisic, Reiss Nelson und Kingsley Coman zu nennen. Alles Spieler, die auf die aktuelle Spielweise im Weltfußball besser eingestellt sind. Sie sind schnell, trickreich, stark im eins gegen eins-Spiel und für das moderne Gegenpressing wie geschaffen. Alles Qualitäten, die in der deutschen Nachwuchsausbildung lange nicht explizit gefördert wurden.


Nach einem katastrophalen Jahr 2018 und einer spielerischen Negativentwicklung in den vergangenen Länderspielzeiten, beschlossen der DFB und Bundestrainer Joachim Löw, einen groß angelegten Umbruch einzuleiten. Man kam nicht umhin zu bemerken, dass der Weltmeister von 2014 von anderen Nationen überholt wurde, die sich schneller und besser auf die aktuellen taktischen Neuerungen im Fußball einstellen konnten.



Quelle: Gokixx