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Hype um Talente

Toptalent Eduardo Camavinga von Stade Rennes im Ligaspiel gegen Paris Saint Germain. Paris, August 2019

Diesen Risiken erwarten Nachwuchsspieler im Profifußball

Camavinga, Fati, Moukoko – sie all zählen zu den Toptalenten, denen eine große Zukunft vorhergesagt wird. Jeder Scout der Topklubs hat die drei auf dem Zettel. Und es scheint nur eine Frage der Zeit zu sein, bis sie bei Real Madrid, FC Barcelona oder Juventus Turin spielen. Doch genau diese Erwartungshaltung beinhaltet einen großen Druck, an dem schon einige gescheitert sind.

Plötzlich im Rampenlicht

Die aktuell wohl am meisten im Fokus stehenden Talente sind Ansu Fati vom FC Barcelona und Eduardo Camavinga von Stade Rennes. Vor allem der junge Angolaner sorgt diese Saison für viel Aufsehen: Erst im Sommer verlängerte Stade Rennes den Vertrag mit seinem Eigengewächs. Zu diesem Zeitpunkt war Eduardo nur Experten ein Begriff. Wenige Tage später kannte ihn nicht nur ganz Frankreich, sondern halb Europa! Gegen Paris Saint-Germain überzeugte er mit seinen gerade einmal 16 Jahren im zentralen Mittelfeld und bereitete sogar mit einem Traumpass den überraschenden Siegtreffer vor. Seine selbstbewusste Körpersprache und kluge Spielverlagerung weckten binnen kürzester Zeit das Interesse einiger Spitzenvereine. Dies gilt auch Ansu Fati, der allerdings bereits bei einem Topklub unter Vertrag steht. Mit seinen 16 Jahren ist er der zweitjüngste Debütant in der Geschichte des FC Barcelona und seit dem vergangenen Spieltag auch der jüngste Torschütze des Vereins. Spätestens seit seinem Treffer beim 2:2 gegen Osasuna ist der Hype um Ansu enorm. Für den FC Barcelona kommt diese Entwicklung nicht überraschend. In Fatis Vertrag ist eine Ausstiegsklausel in Höhe von 100 Millionen Euro verankert.


Jünger geht immer

Noch jünger ist BVB-Juwel Youssoufa Moukoko. Erst vor Kurzem band Borussia Dortmund den 14-Jährigen für weitere zwei Jahre an sich. Und das nicht ohne Grund. Jahr für Jahr übertrifft er sich selbst. Für die U17 der Dortmunder erzielte er im Vorjahr 50 Tore in 28 Spielen. Und auch in der A-Junioren Bundesliga, in der er seit dieser Saison spielt, stellt er seine Treffsicherheit unter Beweis. Obwohl Youssoufa nun gegen drei bis fünf Jahre Ältere antreten muss, führt er auch dort mit sechs Treffern nach drei Spielen die Torjägerliste an.

„Der Junge wird eines Tages Profi werden. Das ist so sicher wie das Amen in der Kirche." Michael Skibbe, Trainer Borussia Dortmund U19

Anders als Eduardo Camavinga und Ansu Fati muss Youssoufa auf sein Profi-Debüt noch warten. Für sein erstes Bundesliga-Spiel muss er nämlich mindestens 16 Jahre alt sein.


Hoch gelobt, tief gefallen

Mit Joao Felix wagte ein großes Talent im Sommer den Wechsel für unfassbare 127 Millionen Euro von Benfica Lissabon zu Atletico Madrid. Obwohl gerade einmal 19 Jahre alt, zählt er nun zu den teuersten Spielern in der Geschichte des Fußballs. In seinem Fall scheint der Plan aufzugehen. Doch das ist nicht immer so.

„Seriöse Prognosen über die Zukunft eines Spielers in so jungen Jahren sind sehr schwierig zu treffen." Dr. Babett Lobinger, Sportpsychologin

Dies musste der Amerikaner Freddy Adu schmerzlich feststellen. 2003 rückte er im Alter von nur 13 Jahre ins Rampenlicht. Freddy unterzeichnete einen mehrjährigen Vertrag mit Nike im Wert von einer Million US-Dollar. Mit 14 Jahren bekam er seinen ersten Profivertrag und gab als jüngster Profi aller Zeiten sein Debüt in der Major League Soccer. Talkshows rissen sich um den Teenager. Er war auf etlichen Zeitschriften-Titeln zu bestaunen und trat in Werbespots mit Fußballlegende Pele auf. Adu war der Hoffnungsträger für den US-amerikanischen Fußball. Doch leider kam es anders: Heute ist Adu ein Paradebeispiel für fast alles, was schiefgehen kann. Nach gerade einmal 195 Einsätzen in 14 Profi-Jahren bei insgesamt 14 verschiedenen Klubs – unter anderem AS Monaco, Benfica Lissabon, Aris Saloniki, Caykur Rizespor und Kuopion Palloseura – ist das ehemalige Mega-Talent heute mit 30 Jahren vereinslos.


Egal wie groß das Talent oder der Hype ist, wichtig bleibt immer, dass ihr die Realität nicht aus den Augen verliert. Vor allem in jungen Jahren kann bei eurer körperlichen und mentalen Entwicklung noch viel passieren. Die größte Herausforderung ist es, sich weiterhin auf die sportliche Entwicklung zu konzentrieren und sich vom Interesse großer Klubs nicht den Kopf verdrehen zu lassen.

Quelle: Gokixx