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Der steinige Weg des Gedion Zelalem

Gedion Zelalem (24)  im Einsatz für seinen neuen Verein Sporting Kansas City gegen den FC Cincinnati. Cincinnati, April 2019

Vom englischen Top-Klub über die Eredivisie in die MLS

Mit 16 Jahren debütierte Gedion Zelalem im FA-Cup für den FC Arsenal. Zu diesem Zeitpunkt galt der talentierte Mittelfeldspieler bei den Londonern als möglicher Nachfolger von Cesc Fabregas. Nach mehreren Leihstationen und einem Kreuzbandriss hatte man ihn jedoch abgeschrieben. Nun wechselte der gebürtige Berliner mit 22 Jahren zu Sporting Kansas City in die Major League Soccer.

Steiler Aufstieg eines Wunderkinds

Zwei Tage vor seinem 17. Geburtstag gab Gedion Zelalem im FA-Cup gegen Coventry City sein Debüt für die erste Mannschaft von Arsenal. Keine zwei Monate später hielt er seinen ersten Profivertrag in den Händen. In London galt der schnelle Mittelfeldspieler als das „German Wonderkid“ und als legitimer Nachfolger von Cesc Fabregas. Zu diesem Zeitpunkt hatte Gedion Zelalem schon einiges erlebt: Als Sohn äthiopischer Eltern wurde er in Berlin geboren und wuchs dort auf. Er durchlief die Jugendmannschaften von TeBe Berlin und Hertha BSC. Doch mit neun Jahren wanderte seine Familie in die USA aus. Fortan besuchte er eine High School in der Nähe von Washington DC und spielte für einen kleinen Klub in Maryland. Sein großes Talent blieb jedoch nicht verborgen. Ein Arsenal-Scout entdeckte schließlich den 15-Jährigen und nach einer Woche Probetraining in London unterschrieb er einen Jugendvertrag. Sein Aufstieg ging rasch weiter: Mit 16 spielte er erst ein halbes Jahr in der U18 des Klubs, wechselte dann aber in die U23 und schließlich zu den Profis. Parallel buhlten gleich drei Nationalverbände um den hochtalentierten Spielmacher. Er entschied sich zunächst gegen Äthiopien und die USA und für die deutsche U17.


Das vorläufige Ende einer großen Karriere

Plötzlich stagnierte seine Karriere allerdings. In den folgenden Jahren gelang es Gedion nicht, sich bei Arsenal durchzusetzen. Er spielte lediglich für Arsenals zweite Mannschaft in der englischen U23-Liga. Arsenals Trainer Arsene Wenger wollte immer, dass Gedion körperlich stärker wird, damit er die nötige Wettkampfhärte für die Premier League aufbringen kann.

„Ich glaube wirklich, dass Gedion das Talent hat, ein ganz Großer zu werden. Er ist ein kreativer Spieler, der mit seinen Pässen und seiner Übersicht das Spiel eröffnen kann. Er muss nun beweisen, dass er die nötige mentale Stärke für den Profi-Fußball mitbringt.“ (Arsene Wenger, damaliger Trainer FC Arsenal)

Um Spielpraxis zu sammeln ließ sich Gedion zweimal ausleihen. In der Saison 2015/16 spielte er in der zweiten schottischen Liga für die Glasgow Rangers. Für den Traditionsklub lief er in 21 Spielen auf, in denen er vier Torvorlagen gab. Am Ende der Saison standen der Ligatitel und der Aufstieg. Zunächst kehrte er nach London zurück, ein halbes Jahr später jedoch führte sein Weg erneut auf Leihbasis zum niederländischen Zweitligisten VVV Venlo. Auch dort stieg er mit seinem Team in die oberste Spielklasse auf, allerdings absolvierte Gedion nur acht Kurzeinsätze. Zurück in London reicht es für den Jungen aus Berlin erneut nicht ganz. Zu allem Überfluss zog er sich im Mai 2017 einen Kreuzbandriss zu. Insgesamt 18 Monate kämpfte er um ein Comeback. Als er endlich wieder fit war, plante bei Arsenal niemand mehr mit ihm, auch sein Mentor und Trainer Arsene Wenger war nicht mehr da. Gedion Zelalem entschloss sich zum Wechsel in die MLS – nach sechs Jahren bei Arsenal während der er in der Premier League er nie zum Einsatz kam.


Hoffnungsvoller Neustart mit 22

Der Wechsel in seine amerikanische Heimat soll für ihn allerdings kein Rückschritt sein. Gedion sieht es eher als einen Neuanfang. Mit gerade einmal 22 Jahren ist es auch längst noch nicht zu spät für eine gute Karriere.

"Es ist ganz klar ein Neustart. Die Liga hat in den letzten fünf Jahren enorm aufgeholt, man kann sich auch hier für die Nationalmannschaft empfehlen oder für einen Wechsel nach Europa. Wer weiß, was noch so kommt." (Gedion Zelalem)

Den frühen Schritt nach England und seine Zeit bei Arsenal stempelt der Mittelfeldspieler nicht als reinen Misserfolg ab. Er sei fußballerisch und menschlich gewachsen, habe jedes Training genossen und dabei stets die Spieler beobachtet, die es bereits geschafft hatten.

"Von Mesut kann man eine Menge lernen; wie er sich bewegt, sein Passspiel. Wie er spielt, ist einfach richtig geil. Lukas Podolski habe ich bei der WM 2006 als Neunjähriger angehimmelt, genau wie Per Mertesacker. Er hat mir als Kapitän sehr geholfen, dafür kann ich mich nur bedanken." (Gedion Zelalem)


Trotz eines großen Talents ist der Weg nicht für alle guten Fußballer einfach und geradlinig. Manchmal kommt auch eine Verletzung dazwischen. Wichtig ist es, stets an sich zu arbeiten und nicht aufzugeben. Gedion Zelalem lief in sechs Jahren bei Arsenal nie in der Premiere League auf. Trotzdem hat er in dieser Zeit viel gesehen und noch mehr gelernt. Mit 22 können seine besten Karrierejahre durchaus noch kommen.



Quelle: Gokixx