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Neuzugang im Kader von Jogi Löw

Kai Havertz am 2. Bundesliga-Spieltag im Match gegen den VfL Wolfsburg. Leverkusen, September 2018

Senkrechtstarter Kai Havertz im Porträt

Für die Zusammenstellung seines neuen Nationalmannschaftskaders erntete Bundestrainer Joachim Löw kürzlich Kritik. Die Berufung des Leverkuseners Kai Havertz ist allerdings nachvollziehbar und stößt bundesweit auf viel Zuspruch. Kein Spieler vor ihm schaffte es, in einem so jungen Alter schon so viele Bundesligaspiele zu absolvieren. Wir stellen seinen Werdegang vor und zeigen, was ihn so stark macht.

Der Weg eines Musterschülers

Kai Havertz gilt im deutschen Fußball als Musterschüler. Durch sein unglaubliches Talent hat er im Jugendbereich immer wieder Jahrgänge übersprungen, auch beim DFB wird er jetzt direkt aus der U19 zu den Senioren befördert und lässt die U21 aus. Seinen ersten Trainer im Profibereich Roger Schmidt hat es daher wenig überrascht, dass der Mittelfeldspieler den großen Sprung in den Herrenbereich auf Anhieb schaffte. Unter dem damaligen Leverkusen-Trainer durfte er im Herbst 2016 sein Debüt feiern.

"Wir wussten, dass er ein fertiger Spieler ist", sagte Schmidt nach Havertz' Debüt im Alter von 17 Jahren und 126 Tagen.

Schmidt berief ihn für ein Auswärtsspiel gegen Werder Bremen in den Kader und wechselte ihn in derselben Partie auch sofort ein. Der damals 17-Jährige soll "schon beim bloßen Zuschauen auf der Bank nervös gewesen sein", wie er vor Kurzem dem Webportal Spox verriet. Als es auf den Platz ging, war das Toptalent aber voll in seinem Element. 

"Als der Trainer mir dann signalisierte, dass ich reinkomme, hat sich das noch mal deutlich gesteigert. Doch in dem Moment, als ich den Platz betrat, war das irgendwie wie weggeblasen. Nach Abpfiff war ich zwar enttäuscht wegen der Niederlage, auf der anderen Seite war pure Freude in mir, da mir dann so richtig bewusstwurde, was nach 15 Jahren Fußball auf einmal passiert ist."

Mittlerweile gelang es ihm die meisten Bundesligaspiele zu absolvieren, die ein Spieler in seinem Alter jemals vorweisen konnte: In insgesamt 55 Einsätzen kommt Havertz auf 7 Tore und 15 Vorlagen. Zudem wurde er dieses Jahr mit der Fritz-Walter-Medaille in Gold als der beste Nachwuchsspieler seines Jahrgangs ausgezeichnet. Die aktuelle Nominierung in die Nationalelf stellt für die meisten Experten den logischen nächsten Entwicklungsschritt des 19-Jährigen dar.


Trotz Erfolg und hoher Ziele bodenständig

Für Havertz soll es natürlich nicht bei einer einmaligen Nominierung bleiben. Sein großes Ziel ist die Teilnahme an der EM 2020. Ein Vorhaben, das er durch harte Arbeit und Leistung im Verein sowie bei seinen ersten Auftritten in der Nationalmannschaft realisieren will.

"Ich möchte in zwei Jahren bei der EM dabei sein, da bin ich 21 und in einem guten Alter“, sagte der 19-Jährige gegenüber 11FREUNDE. „Ich muss noch viel dafür arbeiten, aber es ist nicht unmöglich." 

Trotz der gestiegenen Aufmerksamkeit um seine Person, macht er seinem jetzigen Trainer Heiko Herrlich, für den Havertz das größte Talent ist, das er seit Toni Kroos gesehen habe, den Umgang miteinander leicht. Havertz zeigt sich bodenständig, neigt weder zu extravagantem Auftreten, noch fällt er anderweitig negativ auf. Außerhalb des Fußballs hat das Talent nur zwei echte Freunde und lässt diesen Kreis bewusst nicht zu groß werden. Er weiß um die Schwierigkeiten, die mit einem derart kometenhaften Aufstieg verbunden sind:

"Ich merke nämlich schon, dass sich nun mehr Leute bei mir melden, mit denen ich früher nicht viel zu tun hatte. Sie fragen mich dann nach Trikots oder Eintrittskarten. Ihnen geht es dann mehr um den Profi-Fußballer Kai Havertz, als um den Menschen. Da muss ich aufpassen, nicht ausgenutzt zu werden. "


Sein Vorbild: Ex-Nationalspieler Özil 

Nicht nur Bayer-Manager Rudi Völler zieht Vergleiche zu Mesut Özil, wenn er über die Ballfertigkeiten seines Spielers spricht. Auch für Havertz selbst ist der vor Kurzem zurückgetretene Weltmeister ein persönliches Vorbild:

"Er spielt Fußball, wie ich ihn mag, strahlt Ruhe am Ball aus und wirkt nie gestresst." 

Durch seine breite Palette an Fähigkeiten ist der Mittelfeldspieler vielseitig einsetzbar. Er hat einen guten ersten Kontakt, ist enorm passsicher und kann die Spieldynamik seiner Mannschaft für sein Alter schon erstaunlich gut steuern. Für die Außenbahn ist er ausreichend schnell und dribbelstark, kann durch seine Größe (1,88 m), sein Spielverständnis und seine hervorragende Übersicht aber vor allem in zentraler Position überzeugen, ob als offensiver Mittelfeldspieler, Achter oder in speziellen Situationen sogar als vorderste Spitze. 

Generell zeigt er im letzten Spielfelddrittel eine außergewöhnlich gute Raumfindung, variiert durch geschickte Läufe sowie Positionierung situativ passend zwischen Aufrechterhalten des Ballbesitzes und dem Erzeugen von Durchbrüchen in den Strafraum. Havertz ist sich seiner Stärken und Schwächen konkret bewusst und spricht Aspekte seines Spiels, die noch Verbesserungspotenzial haben, offen an:

"Ich habe eine gute Spielübersicht und Technik. Zu den Schwächen: Ich will an meinem rechten Fuß arbeiten und an meiner Aggressivität. Im Defensivverhalten bin ich manchmal noch nicht diszipliniert genug, wenn die Beine schwer werden." 

Mit der Nominierung für die Nationalmannschaft setzt sich Havertz' Entwicklungsweg konsequent fort. Durch sein Talent und vor allem seine Einstellung ist er ein Vorbild für jeden jungen Spieler. Seine Karten auf einen Platz bei der EM in zwei Jahren dürften, sollte er weiterhin derart auftrumpfen können, nicht die schlechtesten sein.


Quelle: Gokixx