Praxishilfen

Sicherheitsbestimmungen und Sicherheitsregeln für Elektroarbeiten

1 Allgemeines
2 Sicherheitsbestimmungen für elektrische Betriebsmittel
3 Sicherheitsregeln
4 Weitere Informationen


1 Allgemeines

Die Berufsgenossenschaft der Feinmechanik und Elektrotechnik wertete in einem Zeitraum von 15 Jahren über 40.000 Fragebögen zu Stromunfällen aus. Hierbei stellte man fest, dass Laien und auch Elektrofachkräfte häufig Gefährdungssituationen falsch beurteilen. Noch heute verunglücken Elektrofachkräfte durch Leichtsinn und mangelndes Fachwissen. Der überwiegende Teil der untersuchten Unfälle (83 %) ereignete sich im Spannungsbereich von 130 V bis 400 V. Damit stellt dieser Bereich den Hauptteil bei Stromunfällen mit tödlichem Ausgang.

Mitarbeiter an Schaltschrank

Grundsätzlich sind Arbeiten an unter Spannung stehenden Teilen verboten!

Ausnahmen sind in der DIN VDE 0105 festgelegt. Sie gelten für Anlagen mit Spannungen ab 50 V Wechselspannung oder 120 V Gleichspannung,

  • wenn beim Abschalten eine Gefahr für Personen oder ein unvertretbar hoher Sachschaden entstehen würde, z. B. in Glashütten oder in Stahlwerken oder
  • wenn aus sonstigen zwingenden Gründen eine Spannungsfreiheit nicht hergestellt werden kann, z. B. bei Messungen zur Fehlersuche.

Arbeiten unter Spannung ist nur Elektrofachkräften erlaubt. Dabei sind besondere Sicherheitsvorschriften zu beachten!


2 Sicherheitsbestimmungen für elektrische Betriebsmittel

Sicherheitsbestimmungen für elektrische Betriebsmittel und für das Errichten elektrischer Anlagen dienen der Verhütung von Unfällen durch elektrischen Strom. Wer elektrische Betriebsmittel, Werkzeuge, Spielzeuge, Haushaltsgeräte herstellt oder elektrische Anlagen errichtet, hat beim Errichten, Instandsetzen und Warten von Anlagen Gesetze, Vorschriften und Bestimmungen zu beachten.

Es darf kein Schaden an Lebewesen oder Sachwerten entstehen. Rechtsgrundlage ist das VDE-Vorschriftenwerk (VDE: Verband der Elektrotechnik Elektronik Informationstechnik e.V. ).

VDE-geprüfte Betriebsmittel und Geräte tragen das VDE-Prüfzeichen (Tabelle 1). Das GS-Zeichen (Geprüfte Sicherheit) haben Geräte, die dem Geräte- und Produktsicherheitsgesetz, den Arbeitsschutzbestimmungen und den Unfallverhütungsvorschriften entsprechen.

Tabelle 1: VDE-Prüfzeichen nach DIN VDE 0024

Bildzeichen

Bezeichnungen und Beispiele

VDE-Zeichen für elektrotechnische Erzeugnisse

VDE-Zeichen für elektrotechnische Erzeugnisse, z. B. Installationsschalter und Elektrogeräte

VDE-GS-Zeichen nach dem Geräte- und Produktsicherheitsgesetz für geprüfte Elektrogeräte

VDE-GS-Zeichen nach dem Geräte- und Produktsicherheitsgesetz für geprüfte Elektrogeräte, z. B. elektrische Werkzeuge

Neben den VDE-Bestimmungen gelten für die Errichtung von Installationen die Technischen Anschlussbestimmungen (TAB) des zuständigen Energieversorgungsunternehmens (EVU). Die Anschlussbestimmungen regeln den Anschluss an das Niederspannungsnetz des EVU und enthalten insbesondere Regelungen über Anmeldeverfahren, Inbetriebsetzung, Hausanschluss und Messeinrichtungen. Weitere Angaben sind die Bedingungen für den Betrieb elektrischer Geräte, z. B. Entladungslampen, Motoren, Elektrowärmegeräte, Geräte mit Anschnittsteuerungen sowie die vorgeschriebenen Schutzmaßnahmen.

Damit elektrische Betriebsmittel auch während ihrer Nutzungszeit weiterhin sicher sind, müssen diese regelmäßig geprüft werden.


3 Sicherheitsregeln

Um Risiken und Gefahren eines Stromunfalls für die Elektrofachkraft möglichst gering zu halten, müssen zur Herstellung des spannungsfreien Zustandes bei Arbeiten an elektrischen Anlagen die fünf Sicherheitsregeln eingehalten werden. Vor Beginn der Arbeiten ist ein Verbotsschild (nicht Einschalten!) anzubringen. Eine Arbeitsstelle darf erst von der Aufsicht führenden Person freigegeben werden, wenn alle 5 Sicherheitsregeln in der Reihenfolge 1 bis 5 durchgeführt worden sind. Die Elektrofachkraft muss den spannungsfreien Zustand der Anlage feststellen. Der Auftrag zum Wiedereinschalten darf erst dann gegeben werden, nachdem die Sicherheitsregeln in der umgekehrten Reihenfolge, also von 5 bis 1, aufgehoben sind.

Die fünf Sicherheitsregeln für Arbeiten im spannungsfreien Zustand (nach DIN VDE 0105)

1. Freischalten

Sicherheitsregel 1. Freischalten

  • Freischalten aller Teile der Anlage, an denen gearbeitet werden soll.
  • Leitungsschutz-Schalter (Sicherung) abschalten, Schmelzsicherung entfernen, Verbotsschilder anbringen.

2. Gegen Wiedereinschalten sichern

Sicherheitsregel 2. Gegen Wiedereinschalten sichern

  • Leitungsschutz-Schalter z. B. mit Klebeband absichern, Sicherungseinsätze mitnehmen, Schalter durch Schloss sichern.

3. Spannungsfreiheit feststellen

Sicherheitsregel 3. Spannungsfreiheit feststellen

  • Spannungsfreiheit durch Fachkraft feststellen.
  • Anlage mit zweipoligem Spannungsprüfer oder geeigneten Messgeräten prüfen.

4. Erden und Kurzschließen

Sicherheitsregel 4. Erden und Kurzschließen

  • Zuerst immer erden, dann mit den kurzzuschließenden aktiven Teilen verbinden (muss von der Arbeitsstelle aus sichtbar sein). Regel 4 entfällt bei Anlagen mit U < 1000 V, z. B. in Kabelanlagen, ausgenommen Freileitungen.

5. Benachbarte unter Spannung stehende Teile abdecken oder abschranken

Sicherheitsregel 5. Benachbarte unter Spannung stehende Teile abdecken oder abschranken

  • Bei Anlagen unter 1 kV genügen zum Abdecken isolierende Tücher, Schläuche, Formstücke; über 1 kV sind zusätzlich Absperrtafeln, Seile, Warntafeln erforderlich.
  • Körperschutz, z. B. Schutzhelm mit Gesichtsschutz, eng anliegende Kleidung und Handschuhe tragen.

4 Weitere Informationen

Elektrische Anlagen und Betriebsmittel auf Baustellen



















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