Praxishilfen

Arbeiten in Kühlräumen

1 Temperaturen in Kühlräumen
2 Gefährdungen
3 Technische Schutzmaßnahmen
4 Organisatorische Schutzmaßnahmen
5 Persönliche Schutzmaßnahmen
6 Körperliche Eignung und arbeitsmedizinische Vorsorge


1 Temperaturen in Kühlräumen

Die Haltbarkeit von Lebensmitteln wird durch Kühlung deutlich verlängert. Daher sind in allen Lebensmittelbereichen Kühlräume vorhanden.

Hierbei unterscheidet man zwischen Kühlung (+10°C bis -18°C) und Tiefkühlung (ab -18°C).

Kühlhaustür

-18°C

Tiefkühlprodukte

+ 2°C

Fisch, Fleisch, Geflügel, Wild

+ 5°C

Milch, Rahm, gekochte Fleischwaren

+10°C   

Käse, Butter, Quark, Gemüse, Obst


2 Gefährdungen

Mitarbeiter vor Kühlhaustür

Neben der wesentlichen Gefährdung des Unterkühlens und den daraus resultierenden Herz- und Kreislaufproblemen sind Erfrierungen, vor allem bei Hautkontakt mit gefrorenen Produkten, möglich.

Weitere Gefährdungen können sein:

  • Ausrutschen und Stürzen auf Fußböden durch
    • unzureichende Rutschhemmung (z. B. durch die Verwendung ungeeigneter Bodenpflegemittel)
    • unzureichende Reinigung
    • Eisbildung im Eingangsbereich bei Temperaturen
      unter 0°C
  • Stolpern, Stürzen und Fehlgriffe mit Handverletzungen durch zu geringe Beleuchtung
  • Gefährdung durch elektrischen Strom infolge ungeeigneter elektrischer Installation.

3 Technische Schutzmaßnahmen

In Kühlräumen sind eine ausreichende Beleuchtung, sichere Lagereinrichtungen, rutschhemmender Boden, geeignete elektrische Installation und ggf. Notrufeinrichtungen erforderlich.

Mitarbeiter in einem Kühlraum

Ortsfeste begehbare Kühlräume mit einer Grundfläche von mehr als 10 m² müssen jederzeit verlassen werden können, auch wenn die Türen von außen abgeschlossen sind. Das wird erreicht, wenn sich mindestens eine Tür des Raumes jederzeit von innen öffnen lässt oder ein von innen zu öffnender Notausstieg vorhanden ist.

Diese Ausgänge müssen auch bei abgeschalteter Hauptbeleuchtung aufgefunden werden können. Das kann durch Kennzeichnung der Ausgänge und der Fluchtwege durch Sicherheitsbeleuchtung, Rettungskennzeichenleuchten und bei Räumen unter 100 m² auch durch Markierungen aus nachleuchtenden Materialien erreicht werden.

Schalter in einem Kühlraum

Elektrische Anlagen und Betriebsmittel in Kühlräumen müssen in Feuchtraumausführung installiert sein. D. h. elektrische Anlagen müssen u. a. gegen Spritzwasser geschützt sein.

Mobiltelefone funktionieren in Kühlräumen in der Regel nicht. Deshalb muss in ortsfesten begehbaren Kühlräumen mit Temperaturen unter -10° C und einer Grundfläche über 20 m² eine vom allgemeinen Stromnetz unabhängige Notrufeinrichtung vorhanden sein. Der Notruf muss an einer Stelle wahrgenommen werden können, die während der Betriebszeit besetzt ist.

Zur Vermeidung von Eisbildung am Boden ist in Tiefkühlräumen im Eingangsbereich eine Fußbodenheizung installiert.


4 Organisatorische Schutzmaßnahmen

Beschäftigte, die in Räumen mit Temperaturen unter – 25° C arbeiten, dürfen sich dort nicht länger als zwei Stunden ununterbrochen aufhalten. Danach müssen sie sich mindestens 15 Minuten zum Aufwärmen außerhalb eines Kühlraumes aufhalten.

Insgesamt dürfen sich Beschäftigte nicht länger als acht Stunden täglich in Räumen mit Temperaturen unter – 25° C aufhalten.

Kühlräume dürfen erst dann geschlossen werden, wenn man sich vorher versichert hat, dass sich niemand in den Räumen befindet.

Es muss außerdem sichergestellt sein, dass Personen, die der Gefahr der Unterkühlung ausgesetzt sind, in regelmäßigen Zeitabständen überwacht werden. Das geschieht , indem diese sich in regelmäßigen Zeitabständen melden oder Kollegen und Kolleginnen regelmäßig mit diesen Kontakt aufnehmen oder mehrere Personen in Sichtweite arbeiten.


5 Persönliche Schutzmaßnahmen

Mitarbeiter mit Kälteschutz

Personen, die in Kühlräumen beschäftigt sind, müssen Kleidung tragen, die einen ausreichenden Kälteschutz bietet.

  • Die Kleidung ist entsprechend den Temperaturen, den Verweilzeiten und der Beschäftigungsart auszuwählen.
  • Bei Temperaturen höher als -5°C kann die normale Arbeitskleidung mit warmer Unterwäsche ausreichend sein.
  • Bei tieferen Temperaturen ist eine Kälteschutzkleidung auch für Gesicht, Hände und Füße erforderlich. Für kurze Aufenthalte in Kühlräumen mit Temperaturen von weniger als
    -5°C kann von einem besonderen Kälteschutz, insbesondere für Gesicht und Füße, abgesehen werden.

Weitere Informationen zur persönlichen Schutzausrüstung.


6 Gesundheitliche Eignung und arbeitsmedizinische Vorsorge

Die Durchführung einer arbeitsmedizinischen Pflichtvorsorge zum Anlass "Kältearbeiten" ist für Tätigkeiten bei Temperaturen unter - 25° C vorgeschrieben (in Anlehnung an Grundsatz G21 „Kältearbeiten“). Das bedeutet in der Praxis, dass Beschäftigte, die in Kältebereichen arbeiten, in der Regel nicht an der arbeitsmedizinischen Pflichtvorsorge teilnehmen müssen, da die Temperatur nur in wenigen Bereichen unter -25°C liegt.

Im Umkehrschluss bedeutet die in der Regel fehlende Pflichtvorsorge allerdings nicht, dass im Temperaturbereich oberhalb von -25°C keine relevanten Gesundheitsprobleme auftreten können. Bei der Personalauswahl muss deshalb die gesundheitliche Eignung berücksichtigt werden. Bei Menschen mit Angina pectoris, Asthma bronchiale, Durchblutungsstörungen der Haut, rheumatischen Erkrankungen und Kälteüberempfindlichkeitsreaktionen können unter Kälteeinwirkung ernsthafte Gesundheitsstörungen auftreten.






















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