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Publikation „Die VBG – Immer am Puls der Zeit“

Cover der Publikation zur Geschichte der VBG (VBG/Thomas Kuhlenbeck)

Broschüre

Publikation "Die VBG - Immer am Puls der Zeit"

Bewegte Zeiten – Zur Geschichte der VBG

Marc von Miquel, Gabriele Hommel

Es ist noch nicht lange her, da zählte die Verwaltungs-Berufsgenossenschaft (VBG) zu den jüngsten Trägerinnen der gesetzlichen Unfallversicherung in Deutschland. Ihre Geschichte begann im Jahr 1912 und damit ein Vierteljahrhundert nachdem die Entschädigung von Arbeitsunfällen erstmals staatlich garantiert wurde. Unter dem ungewöhnlichen Namen »Versicherungsgenossenschaft der Privatfahrzeug- und -Reittierbesitzer« entstand damals eine Versichertengemeinschaft, die bis vor Kurzem noch als frühester organisatorischer Vorläufer der VBG galt. Inzwischen kann sie in Fußstapfen treten, die weit älter sind. Hinterlassen wurden sie von der Berufsgenossenschaft der keramischen und Glas-Industrie (BGKG) und der Berufsgenossenschaft der Straßen-, U-Bahnen und Eisenbahnen (BG BAHNEN), die 2009 und 2010 mit der VBG fusionierten und deren Rechtsnachfolgerin wie historische Erbin sie seitdem ist.

Mit den neu hinzugekommenen Wurzeln reichen die Ursprünge der Verwaltungs-Berufsgenossenschaft bis in die Anfänge der gesetzlichen Unfallversicherung zurück. Beide Versicherungsträger, mit denen die »alte« zur »neuen« VBG zusammenwuchs, entstanden schon wenige Monate, nachdem das erste Gesetz zur Unfallversicherung am 7. Juli 1884 verabschiedet worden war und im Folgejahr in Kraft trat. Insgesamt setzt sich die heutige VBG aus sechs ehemals selbstständigen Unfallversicherungsträgern zusammen, deren Geschichte bis in die Zeiten des deutschen Kaiserreichs zurückreicht.

Zur Gründung der »Versicherungsgenossenschaft der Privatfahrzeug- und -Reittierbesitzer«

Am 8. November 1912 wurde die »Versicherungsgenossenschaft der Privatfahrzeug- und -Reittierbesitzer« errichtet, ein exklusiver Zusammenschluss von Reit- und Rennstallbetreibern, Schiffs- und Flugzugbesitzern, Ballonfahrern und Automobilisten. Anlass hierfür war der Umstand, dass auch ein Vierteljahrhundert nach Begründung der Unfallversicherung noch immer zahlreiche Arbeitnehmerinnen und Arbeitnehmer unversichert blieben. So genoss bis dahin in der Regel keinen Unfallschutz, dessen Tätigkeit weder gewerblichen Zwecken diente noch im Auftrag der öffentlichen Hand erfolgte. Mit diesem Grundsatz brach die Forderung, den Unfallversicherungsschutz auf die Chauffeure von privat betriebenen Kraftwagen auszudehnen. Der Berufsstand der »Herrenfahrer« hatte sich gebildet und barg ähnliche Risiken wie die unfallrechtlich abgesicherte Tätigkeit eines Fahrers in der öffentlichen oder gewerblichen Personen- und Güterbeförderung. Und so lag es nahe, die in Privatdiensten stehenden Fahrer ihren dortigen Kollegen gleichzustellen.

Anfang der 1920er-Jahre, in Zeiten des aufkommenden Autoverkehrs, schnellte die Zahl der nicht gewerblich unterhaltenen Fahrzeuge, die zugleich keinen Privatbesitz darstellten, in die Höhe. Viele Verwaltungen, Banken und Versicherungen schafften allein schon aus Prestigegründen ein Automobil samt Chauffeur an. Um den Aufgabenzuwachs zu bewältigen, verlegte sich die Versicherungsgenossenschaft auf die Vereinfachung der Verwaltungsverfahren und den »Abbau aller irgendwie vermeidbaren bürokratischen Weitläufigkeiten«. So wurden Sammelanmeldungen für die Fahrzeughaltungen vereinbart, auch die Berechnung der Beiträge und ihr Einzug erfolgten nicht länger viertel-, sondern halbjährlich, sodass sich der Aufwand halbierte.

Im Jahr 1929 folgte eine erneute Expansionsphase, galt es doch, zwei bislang unversicherte Branchen zu betreuen: die Bewachungsbetriebe und die Vergnügungsbetriebe, wozu private Theater, Kabaretts, Tanzlokale, Orchester und Zirkusse zählten. Mit dem Umbruch in der Organisation benannte sich die Genossenschaft um. Ab 1929 trug sie die neutrale Bezeichnung »Genossenschaft für reichsgesetzliche Unfallversicherung« und hatte ihren Sitz an der Salzbrunner Straße in Berlin-Grunewald genommen. In allen Verwaltungstätigkeiten zeichnete sich die Genossenschaft durch eine weitreichende Übertragung von Verantwortung und die Dezentralisierung von Aufgaben bis in die Leitungsebene aus. Unter der Zuständigkeit jeweils eines stellvertretenden Geschäftsführers arbeiteten ihre drei Abteilungen nicht nur formal selbstständig. Vielmehr funktionierten sie, so die Beschreibung des Vorstandes, gleichsam als »Verwaltungseinheit« mehrerer Berufsgenossenschaften und spiegelten so die »Eigenart« der Mitgliederstruktur wider.

Unter der Herrschaft des NS-Regimes

Mit der Machtübernahme der Nationalsozialisten endete diese Verwaltungspraxis. Fortan galt das »Führerprinzip« auch für die Organisation der Berufsgenossenschaften, deren demokratische Selbstverwaltung 1933 abgeschafft wurde. Zu den größten Zäsuren in der Geschichte der Berufsgenossenschaften zählt die schnelle und umfängliche Bereitschaft, sogenannte Nicht-Arier und politisch missliebige Personen aus ihren Reihen auszuschließen. Die rechtliche Grundlage hierfür schuf das im April 1933 verabschiedete Gesetz zur Wiederherstellung des Berufsbeamtentums. Unter seinem harmlos klingenden Namen forderte es die Entlassung von Beamten aus dem Staatsdienst, die keine »arische Abstammung« nachweisen konnten oder im Verdacht standen, »nicht jederzeit rückhaltlos für den nationalen Staat« einzutreten. Ergänzt wurden die Bestimmungen durch eine Vorschrift, die sich speziell auf die Inhaber von Ehrenämtern in der Sozialversicherung bezog. Aus der Genossenschaft für reichsgesetzliche Unfallversicherung mussten fünf Vorstandsmitglieder die Ämter niederlegen, da sie aufgrund ihres Glaubens oder der familiären Herkunft als »Nicht-Arier« galten. Namentlich handelte es sich um die Vertreter der Abteilung »Bewachungsbetriebe« im Gesamtvorstand Walter Kaschke (Prokurist der Berliner Wach- und Schließgesellschaft) und Ernst Lust (Direktor der Halleschen Wach- und Schließgesellschaft) sowie um ihre Ersatzmänner Alex Blumenau (Direktor der Wach- und Schließgesellschaft Eberfeld/Barmen) und Franz Salomon (Direktor der Berliner Nachtschutzgesellschaft J. Arndtstein in Berlin-Pankow). Über den weiteren Werdegang dieser Unternehmer, ob sie blieben, emigrieren konnten oder in den Vernichtungslagern umkamen, ist kaum etwas bekannt. Anderes gilt für Arthur Schwelb, der als Ersatzmann die Abteilung »Schauspiel- und Vergnügungsbetriebe« im Vorstand repräsentierte und ebenfalls 1933 von seinem Amt zurücktreten musste. Der Direktor zahlreicher Bühnenbetriebe, darunter des Theaters am Nollendorfplatz in Berlin, an dem Erwin Piscator seine bahnbrechenden Inszenierungen auf die Bühne brachte, floh mit seiner Frau und zwei Söhnen in seine Geburtsstadt Prag. Ihre letzten Lebenszeichen stammen aus dem Ghetto Lodz.

Zentral für den Fortgang der Genossenschaft war die Ablösung der Betriebsversicherung durch die Personenversicherung im März 1942. Im Zuge der Gesetzesänderung musste die Vorgängerinstitution der VBG die nicht gewerblichen Fahrzeughaltungen abgeben, also ausgerechnet jenen Bereich, der zu ihrer Gründung geführt und auf den sich ihre Arbeit bis dahin maßgeblich gestützt hatte. Dafür wurde ihr die Versicherung aller in Banken, Versicherungen, Verbänden, Kanzleien und in bestimmten Verwaltungseinrichtungen beschäftigten Personen übertragen. Besondere Unternehmen wie Rundfunkanstalten oder Forschungsinstitute sowie Betriebe, für die keine fachliche Zuständigkeit anderer Versicherungsträger bestand, ergänzten die Liste. Mit dieser Branchenbestimmung wurden die Weichen für den Zuständigkeitsbereich der heutigen VBG gestellt.

Bewegte Zeiten: Zur jüngeren Geschichte der VBG

Der Weg der Verwaltungs-Berufsgenossenschaft, wie sie seit 1954 bezeichnet wurde, in der jüngeren Geschichte sei hier nur in wenigen Schlaglichtern beleuchtet. Deutlich wird im Rückblick vor allem, dass die VBG Vorreiter für neue Entwicklungen in der Landschaft der gesetzlichen Unfallversicherung war. Erheblich früher als bei anderen Trägern erfolgten in der VBG der Abschied von der hoheitlichen Verwaltung und die Übernahme eines Dienstleistungsverständnisses, nach dem die Kunden- und Versichertennähe an erster Stelle standen. In diesem Zusammenhang sind auch die Umbrüche ab Ende der 1970er-Jahren zu sehen: die Entscheidung für die Regionalisierung von Rehabilitation, Prävention und der Betreuung von Mitgliedsunternehmen und Versicherten. Und nicht zuletzt entsprach die Neuorientierung auch dem Leitbild des neuen Sozialgesetzbuchs, das auf Transparenz im Verwaltungshandeln und auf Beratung der Versicherten im Dienst der sozialen Sicherung setzte.

Das stete Wachstum des Dienstleistungssektors in den vergangenen Jahrzehnten führte bei der VBG zu einem Anstieg der Mitglieder- und Unfallzahlen, der in der Geschichte der gesetzlichen Unfallversicherung beispiellos ist. Da zugleich die Ansprüche an Qualität und Schnelligkeit der Bearbeitung stiegen, war die VBG immer wieder gefordert, ihre Geschäftsprozesse zu optimieren. Teamarbeit, flache Hierarchien und Kompetenzstärkung in der Sachbearbeitung lauteten die Grundsätze, an denen sich die Abläufe ausrichteten. Hinzu kamen umfangreiche Investitionen in die elektronische Datenverarbeitung. Die VBG war der erste Unfallversicherungsträger, der ein umfassendes, alle Geschäftsdaten umfassendes System entwickelte, mit denen die Geschäftsprozesse in Prävention, Rehabilitation und Unternehmensbetreuung analysiert werden konnten.

In der Prävention entschied die VBG in den 1980er-Jahren, sich von traditionellen Leitbildern der Unfallverhütung zu verabschieden und moderne Konzepte der interdisziplinären Präventionsforschung aufzugreifen. In das Blickfeld rückten nun Fragen der Arbeitsplatzgestaltung, der individuellen Belastung und der betrieblichen Rahmenbedingungen. Aus »Technischen Aufsichtsbeamten« wurden »Technische Aufsichtspersonen«, die für die erweiterten Präventionsziele geschult wurden. Mit neuen Seminarprogrammen wurden über die Schulung der Sicherheitsbeauftragten und der Fachkräfte für Arbeitssicherheit hinaus weitere Zielgruppen in den Mitgliedsbetrieben erreicht. Die Bildungsangebote richteten sich seitdem auch an Unternehmer, Führungskräfte, Betriebsräte und Betriebsärzte, um eine verbesserte Sicherheitskultur in den Unternehmen zu fördern.

Wegweisend in der Rehabilitation war die frühe Umstellung auf die bildschirmorientierte Sachbearbeitung, mit deren Hilfe die Reha-Bedarfe der betroffenen Menschen schnell erfasst werden konnten. Als erster Träger hat die VBG zudem Standards für Heilverfahren und Rehabilitation erstellt. Sie empfehlen, welche Reha-Maßnahmen der Unfallversicherung, differenziert nach Verletzungs- und Versorgungsart, durchgeführt werden sollten. Entstanden im Austausch den Fachverbänden der Ärzte und Reha-Einrichtungen, unterstützen die Standards erfolgreich bei der Beurteilung, ob die medizinische Behandlung der Verletzten wie vorgesehen voranschreitet. Als die UN-Behindertenrechtskonvention 2009 ratifiziert wurde, hat die VBG die Prozesse und Strukturen in der Rehabilitation an deren Leitsätzen neu ausgerichtet. Sie trägt mit allen geeigneten Mitteln dazu bei, verunfallten Menschen umfassende Teilhabe und gleichberechtigte Einbeziehung in alle Aspekte des Lebens zu ermöglichen.

Die ganze Geschichte können Sie hier nachlesen:

VBG (Herausgeber)
Lydia Heuser/Gabriele Hommel (Autorinnen)
Die VBG – Immer am Puls der Zeit
Hamburg 2019

Gebunden. 22 x 27 cm. 206 Seiten. 132 Abbildungen.
ISBN 978-3-9818343-1-4
Kosten: 19,80 €
bestellbar über: www.sv-dok.de/bestellung.php

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