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Licht für die Nachtschicht

Zwei Beschäftigte vor einer Vielzahl von Monitoren in einem Kontrollraum bei künstlicher Beleuchtung

Medizinische Stellungnahme: Nachtschichtarbeit mit hellem, blau angereichertem Licht

Die innere Uhr des Menschen ist ein empfindliches System. Durch falsche Beleuchtung bei Nachtschichten kann der Biorhythmus aus dem Gleichgewicht geraten.

Schichtarbeit gehört in vielen Bereichen zum Berufsalltag. Ob bei der Polizei, im Krankenhaus oder am Flughafen – vielerorts ist der Einsatz von Beschäftigten weit über die klassischen Tag-Arbeitszeiten hinaus notwendig. Auch eine Reihe von Mitgliedsunternehmen der VBG müssen in der Nacht ihren Betrieb sicherstellen. Gerade in der Glas- und Keramik-Industrie sowie im öffentlichen Personenverkehr wird Nachtschichtarbeit auch in Zukunft unerlässlich bleiben.

Licht aktiviert

Neuere Forschungsergebnisse der letzten Jahre bestätigen, dass sich Licht auf die Aktivierung des Menschen auswirkt und den biologischen Rhythmus prägt. Die VBG informierte bereits darüber, unter anderem beim 9. DIN-Expertenforum im Juni 2017. Studien konnten belegen, dass helles Licht mit einem höheren Blauanteil die Aufmerksamkeit, Aktivität und Arbeitsfähigkeit sowohl am Tag als auch in der Nacht erhöht. Daher werden für Arbeitsbereiche mit Nachtschichttätigkeit Beleuchtungsanlagen angeboten, die hohe Farbtemperaturen bzw. einen erhöhten spektralen Blauanteil bieten. Ziel ist es, die Beschäftigten auf diese Weise – vor allem am biologischen „Tiefpunkt“ in der Nacht – zu aktivieren. Die Ermüdung soll verringert, die Fehlerhäufigkeit herabgesetzt und damit Unfälle vermieden werden.

Falsche Beleuchtung kann den die innere Uhr des Menschen stören

Eine solche Beleuchtung ist aus medizinischen Gründen nicht unumstritten. So geben Forscher zu bedenken, dass falsches Licht – vor allem für Beschäftigte im wechselnden Schichtbetrieb – gesundheitliche Risiken birgt. Die VBG hat vor diesem Hintergrund eine Stellungnahme bei Dr. Dieter Kunz in Auftrag gegeben (siehe Downloadbox), der seit zwei Jahrzehnten zu den führenden Wissenschaftlern auf dem Gebiet der Schlafmedizin zählt. Der Berliner Somnologe kommt auf Grundlage aktueller Forschungsberichte zu dem Ergebnis, dass der Einsatz von blau angereichertem, hellem Licht während Nachtschichten zum jetzigen Zeitpunkt nicht zu empfehlen ist. Der Grund: Eine solche Beleuchtung stört das „circadiane System“, also die innere biologische Uhr, die sämtliche Funktionsabläufe des menschlichen Körpers aufeinander abstimmt. Nachweislich werden dadurch Melatonin unterdrückt und auch andere physiologische Prozesse im Körper gestört. Als mögliche Alternative könnte sich aus Sicht von Dr. Kunz künftig hingegen blaugefiltertes, „oranges“ Licht erweisen. Bei diesem Licht ließ sich ebenfalls eine wach machende und leistungsverbessernde Wirkung insbesondere in der zweiten Nachthälfte feststellen.

Empfehlungen der VBG: „warmes“ Licht nutzen

Die Erkenntnisse zur nichtvisuellen Wirkung der Beleuchtung sind relevant für Sicherheit und Gesundheit bei der Arbeit. Die VBG rät im Rahmen der Gefährdungsbeurteilung zu berücksichtigen, dass eine Beleuchtung mit einem erhöhten blauen Spektralanteil beziehungsweise hohen Farbtemperaturen besonders in Verbindung mit einer hohen Beleuchtungsstärke während der Nacht den biologischen Rhythmus der Beschäftigten verschieben kann. Um die innere Uhr der Betroffenen – auch bei wechselnden Schichten – so wenig wie möglich aus dem Takt zu bringen, empfiehlt die VBG für mehr Aufmerksamkeit in der Nacht, Leuchtmittel mit warmweißer bis oranger Lichtfarbe (niedrige Farbtemperatur) zu verwenden Für Situationen in der Nachtschicht, in denen eine erhöhte Aufmerksamkeit erforderlich ist, zum Beispiel bei hohen Gefahrenpotenzial, sollten höhere Beleuchtungsstärken als die geforderten Werte (siehe ASR A3.4 „Beleuchtung“) eingestellt werden können.


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