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Von der Betrieblichen Gesundheitsförderung zum Betrieblichen Gesundheitsmanagement

Beschäftigte der Volksbank Darmstadt-Südhessen bei einer Bewegungseinheit

Interview zur systematischen Weiterentwicklung eines Gesundheitsprogramms mit Anja Mütze-Heinemann von der Volksbank Darmstadt-Südhessen eG

Die Volksbank Darmstadt-Südhessen eG ist eine Genossenschaftsbank mit 63 Filialen in der Region zwischen Frankfurt am Main und Mannheim. Für seine mehr als 750 Beschäftigten hat das Finanzdienstleistungsinstitut eine betriebliche Gesundheitsförderung eingeführt und diese zu einem modernen Gesundheitsmanagement (BGM) weiterentwickelt. Wir sprachen mit Anja Mütze-Heinemann, der verantwortlichen Koordinatorin für Arbeitsmedizin, Arbeitssicherheit und BGM, über das betriebliche Gesundheitsprogramm in ihrem Hause.


VBG: Frau Mütze-Heinemann wann hat Ihr Unternehmen ein betriebliches Gesundheitsmanagement eingeführt?

Anja Mütze-Heinemann: Mit der Umsetzung des BGM wurde im Januar 2014 nach der Fusion der Volksbank Darmstadt-Kreis Bergstraße und Groß-Gerauer Volksbank zur Volksbank Darmstadt-Südhessen eG begonnen.


VBG: Was waren die Beweggründe dafür?

Anja Mütze-Heinemann: Unser Ziel war es, die Gesundheit der Mitarbeiter zu fördern sowie eine gesundheitsorientierte Ausrichtung im neuen Bankinstitut darzustellen. Nach der erfolgreich vollzogenen Fusion war das ein wichtiger Ansatz, um Gesundheit und Motivation der Kollegen weiterhin zu gewährleisten.


VBG: Wie sind Sie beim Aufbau Ihres BGMs vorgegangen?

Anja Mütze-Heinemann: Wichtige Impulse für die Umsetzung unsers BGM erhielten wir im Rahmen der Netzwerktreffen "Gesund und sicher zum Erfolg" (www.ruv-bkk.de/netzwerktreffen/). Diese Veranstaltungen werden seit mehreren Jahren gemeinschaftlich von R+V BKK und VBG ausgerichtet.

Zunächst führten wir im neuen Unternehmen eine Mitarbeiterbefragung durch. Die Ergebnisse wiesen auf Defizite im allgemeinen Gesundheitszustand, im Bereich Gewicht-Ernährung-Bewegung und Bluthochdruckrisiko unserer Beschäftigten hin und bildeten somit den Rahmen unserer Kooperation mit der R+V BKK. Maßnahmen, wie Gesundheitstage für alle Mitarbeiter und die Möglichkeit, passende Präventionskurse kostenfrei zu besuchen, stellten die Grundlage des Betrieblichen Gesundheitsmanagements unseres Instituts für die folgenden 2 Jahre dar.

Als erster Schritt folgte ein zweitägiger Workshop für unsere über 60 Führungskräfte der Bank zum Thema „Gesund führen“. Anschließend setzten sich diese an einem Gesundheitstag in einem Fitnessstudio im Rahmen von Training und Vorträgen einen Tag nur mit der eigenen Gesundheit auseinander. Nach erfolgter Einbindung der Führung wurden an unterschiedlichen Standorten des Geschäftsgebietes drei Gesundheitstage für die Mitarbeiter organisiert. Ausrichter waren Vereine unserer Region, die uns die Infrastruktur ihrer Sportstätten sowie Trainer zur Verfügung stellten. Im Angebot waren Gesundheitsvorträge, Workshops, Präventionsschnupper-kurse und Aktionsstände mit Messecharakter, die von den Mitarbeitern und ihren Familienangehörigen rege genutzt wurden. Bei bestem Wetter konnten In- und Outdoor-Angebote wie Yoga, Lauf-, Rücken-, Nordic-Walkingkurse etc. genutzt werden. Wunsch- und Teilnehmerlisten für anschließende Präventionskurse in unseren Filialstandorten dienten der späteren Kursplanung.


VBG: Welche Kriterien spielten dabei eine wichtige Rolle?

Anja Mütze-Heinemann: Zunächst sollten die Mitarbeiter eine Idee von Gesundheitsprävention erhalten. Dabei halfen die Gesundheitstage als, sportlicher Tag mit vielen gesunden Ideen in Gesellschaft der Kollegen.

Ziel war regelmäßig und bedarfsgerecht Präventionsmaßnahmen für möglichst alle Mitarbeiter anzubieten. Die über 40 Standorte der Bank waren dabei allerdings eine Hürde. Wir haben uns daher entschlossen, mit unseren Angeboten zu den Kollegen in die Filialen kommen.


VBG: Wie wurde das BGM von Ihren Beschäftigten angenommen?

Anja Mütze-Heinemann: Wir haben unseren Beschäftigten Präventionskurse angeboten. Zwei Jahre hatten wir damit ein für den Mitarbeiter kostenfreies, volles Programm an den unterschiedlichen Standorten der Bank. Die Trainerhonorare wurden in dieser Zeit von der R+V BKK übernommen.


VBG: Haben Sie Ihr Gesundheitsprogramm im Laufe der Zeit weiterentwickelt? Wurde das Angebot ausgedehnt? Wenn ja, wie?

Anja Mütze-Heinemann: Nachdem die ersten beiden Jahre abgelaufen waren, haben wir im Rahmen der Evaluation des BGM festgestellt, dass sich das Gesundheitsbewusstsein der Mitarbeiter erheblich verändert hat. Die Bereitschaft, etwas für den eigenen Körper zu tun, ist tatsächlich gewachsen.

Allerdings reduzieren sich durch Veränderungen in der Bankenorganisation die Möglichkeiten, geeignete Präventionskurse in den Filialen durchzuführen. Veränderte Öffnungs- und Arbeitszeiten machen den Besuch der gemeinsamen Sportkurse mittlerweile nahezu unmöglich.

Auch die digitalen Möglichkeiten (Entspannungs- oder Sport-Apps), die die Mitarbeiter privat nutzen, verändern das Verhalten und stellen damit die Organisation des BGM vor große Herausforderungen. Aus diesen Gründen arbeiten wir verstärkt mit externen Kooperationspartnern, wie Fitnessstudios, Trainern etc. zusammen. Wir nutzen die Kompetenz dieser Partner, stellen die Angebote auf unserem Gesundheitsportal im Intranet dar und können zusätzlich den Mitarbeitern günstigere Preise in wohnortnahen Sportstätten anbieten.

Außerdem arbeiten wir eng mit mehreren Krankenkassen zusammen, die ihre Dienste in Form von Aktionstagen (Herzcoach, Lungentest, Stresstest) an unterschiedlichen Standorten anbieten. Diese werden rege genutzt und erfreuen sich wachsender Beliebtheit.

Ein ganz wichtiger Aspekt des BGM ist die Bündelung aller Gesundheitsthemen in unserer Bank. Wir wollten damit die Möglichkeit schaffen, dem Thema Gesundheit eine Plattform zu geben, die Beschäftigte kompakt über die Themen des Arbeitsschutzes und des BGM gleichermaßen informiert.

Wir haben dazu mit unserem externen Dienstleister, der uns im Arbeitsschutz betreut, ein Gesundheitsportal im Intranet geschaffen. Jeder Mitarbeiter kann hierüber auf einfachem Weg die für ihn wichtigen Gesundheitsthemen – kompakt und gebündelt – einsehen und sich für Sprechtage, Vorträge, Workshops etc. direkt anmelden. So  kann jeder Mitarbeiter die externe und anonyme Mitarbeiterberatung (EAP) für sich nutzen. Dabei spielt es keine Rolle, welcher Art und welchen Ursprungs die Probleme sind.


VBG: Gab es Aspekte bei der Einführung Ihres BGMs, die Sie nachfolgend anpassen mussten beziehungsweise aus heutiger Sicht anders angehen würden? Wenn ja, welche?

Anja Mütze-Heinemann: Nein, rückwirkend gesehen war es die beste Möglichkeit, gemeinsam mit Partnern das BGM in der Bank zu etablieren und zum Laufen zu bringen. Die zweijährige Kooperation ist gut und wichtig, um nicht allein vor dieser Herausforderung zu stehen, bis sich eine gewisse Routine eingestellt hat. 

Mittlerweile sind wir um unsere gemachten Erfahrungen reicher. Diese entstehen zwangsläufig und sollten in jedem Unternehmen individuell betrachtet und ausgewertet werden. Ebenso müssen die Anregungen und Wünsche von Mitarbeiterinnen und Mitarbeitern ernst genommen und nach Möglichkeit umgesetzt werden. Das ist ja auch das spannende an einem BGM, zu sehen, wie sich die Arbeitswelt verändert und welche Anpassungen man vornehmen muss.


VBG: Worauf sollten andere Kreditinstitute Ihrer Meinung nach bei der Errichtung eines Gesundheitsmanagements vor allem achten?

Anja Mütze-Heinemann: Wir arbeiten in einer Bank, in der es nun mal überwiegend um Zahlen, Daten, Fakten geht. Gegenwärtig sind die Zeiten für Ausgaben im Gesundheitsbereich sicher nicht ideal. Die Branche sieht sich mit Kostensenkungen, Arbeitsverdichtung und Filialschließungen konfrontiert. Ungeachtet beziehungsweise gerade wegen dieser Problematik, die uns alle betrifft, sollten wir die Gesunderhaltung der Mitarbeiter im Auge behalten und ein geeignetes Budget mit der nötigen Manpower zur Verfügung stellen.

Im Unternehmen selbst muss deshalb die Akzeptanz für Gesundheitsthemen gefördert und deren Bedeutung für den Erfolg des Betriebes hervorgehoben werden. Die Vorgaben aus dem Arbeitsschutz spielen uns dabei in die Karten. Erkenntnisse aus der Gefährdungsbeurteilung, insbesondere bezüglich psychischer Belastungen, oder der Durchführung der Gesundheitsvorsorge am Arbeitsplatz helfen, das BGM weiterzuentwickeln. Sicherheit und Gesundheit bei der Arbeit sind eng miteinander verzahnt.

Ebenso kann BGM nur dann funktionieren, wenn die Führungskräfte dahinterstehen. Sie sollten ihre eigene Gesundheit ernst nehmen. Nur so können sie ihre Mitarbeiter motivieren, an gesundheitsfördernden Angeboten teilzunehmen. Dann hat das BGM auf lange Sicht im Unternehmen eine Chance und dient seinem Zweck.

Weiterhin sollte es feste Ansprechpartner im Unternehmen geben. Eine einfache Handhabung des Themas BGM für alle Mitarbeiter ist essentiell. Um die Nachhaltigkeit gewährleisten zu können, sollten aus meiner Sicht die Unternehmen über Bonussysteme als Anreiz nachdenken. Hierfür könnten beispielsweise die eigenen Firmenkunden, die sich mit dem Thema Gesundheit beschäftigen, eingebunden werden. Wir haben als Bank einen großen Vorteil gegenüber anderen Unternehmen, denn wir besitzen diesen Pool an Kontakten. Wir müssen nur die meist langjährigen Kundenbeziehungen im Schulterschluss zwischen Bank, Kunden und Mitarbeiter positiv für uns nutzen. Das ist dann eine Situation, von der alle Beteiligten profitieren.

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